Jeffrey Epstein. | Bildquelle: REUTERS

Affäre um Milliardär Der tiefe Fall des Jeffrey Epstein

Stand: 26.07.2019 03:26 Uhr

Jeffrey Epstein umgab sich mit den Reichen und Mächtigen der Welt. Doch nun, nach neuen Vorwürfen wegen sexueller Vergehen an Minderjährigen, ist der Milliardär tief gefallen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Seit seiner Verhaftung will keiner mehr etwas mit Jeffrey Epstein zu tun haben. Der leichtlebige Wallstreet-Manager steht plötzlich alleine da.

Jahrelang hat Epstein mit Prominenten verkehrt, wie ein kleines schwarzes Buch zeigt, dessen Inhalt 2015 das Online-Magazin "Gawker" in Teilen veröffentlicht hatte.

Darin haben Angestellte des Multimillionärs seine engsten Kontakte festgehalten: Prominente Namen und Geheimnummern. Unter ihnen angeblich mächtige Männer wie Donald Trump, Bill Clinton, der britische Prinz Andrew und Israels Ex-Ministerpräsident Ehud Barak. Es sagt nichts darüber aus, ob diese und viele andere Prominente auch bei Epsteins Sexparties mit jungen Mädchen mitgefeiert haben. Es sagt aber viel darüber aus, auf welcher Stufe sich Epstein sah.

Im Rampenlicht sonnte er sich gern. Posierte auf Parties und Events mit Prominenten, wo er konnte: Epstein und Woody Allen, Epstein mit Kronprinz Mohammed bin Salman. Epstein mit dem einflussreichen Strafverteidiger Alan Dershowitz.

Little St. James Island, die Privatinsel Epsteins in den U.S. Virgin Islands. | Bildquelle: REUTERS
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Little St. James Island, die Privatinsel Epsteins in den U.S. Virgin Islands.

Ganz oben. Ganz reich. Und immer lächelnd

Auf seinem Anwesen in Florida und in seiner New Yorker Villa schmiss er Parties. Großzügig ließ er Freunde wie Clinton in seinem Privatjet "Lolita Express" befördern. Epsteins Bild in der Öffentlichkeit war das von einem, der mit klugem Kopf auf leichtem Fuß durch die schillernde Welt der Wallstreet-Manager schwebt. Ganz oben. Ganz reich. Und immer lächelnd.

Wie er dahin kam, ist allerdings den meisten ein Rätsel: Nach Medieninformationen hatte er weder besondere Beziehungen noch einen College-Abschluss. Irgendwie kam er zur Investmentbank Bear Sterns. Dort handelte er offenbar so erfolgreich mit Optionsscheinen, dass er bald zum Partner wurde. Bevor die Geschäftspartner sich kurz darauf trennten. 1982 gründete er seine eigene Finanzberater-Firma - J. Epstein & Co, später genannt Financial Trust Co.

Das größte Privathaus am Central Park

Einer seiner großen Mentoren war Unternehmer Leslie Wexner, der Mann etwa hinter den Wäschemarken Victoria’s Secret und PINK. Von ihm übernahm Epstein seine siebenstöckige Villa an der schicken Upper West Side in Manhattan. Das größte Privathaus am Central Park. Die "New York Times" berichtet: Es sei vollgestopft mit Fotos prominenter sogenannter Freunde. Von der Decke habe eine lebensgroße weibliche Puppe gehangen. Ein Esszimmer sei als nachgestellter Strand dekoriert gewesen.

In dieses Haus und auf seinem Grundstück in Palm Beach soll Epstein sich über Jahre minderjährige Mädchen bestellt haben - einige gerade mal 14 Jahre alt. "Kinder, die ihm Massagen gegeben haben, nackt oder teilweise nackt. Kinder, die für Geld zu direkten oder indirekten Sex-Akten gedrängt wurden. Kinder, die zu all dem von einem Mann gezwungen wurden, der teilweise dreimal so alt war wie sie“, sagt FBI-Ermittler William Sweeney.

Schon 2008 Verfahren gegen Epstein

Die Mädchen sollen dem heute 66-Jährigen von Frauen zugeführt worden sein, die wiederum dafür bezahlt wurden. Sie seien in der Umgebung und in Osteuropa rekrutiert worden, sagt Staatsanwalt Geoffrey Berman. Obdachlose und Töchter von Drogenabhängigen waren darunter.

Ein erster Anlauf, um Epstein dafür zur Verantwortung zu ziehen, endete 2008 mit einem zweifelhaften Deal. Der von Opfern Angeklagte gestand ansatzweise seine Schuld ein, ließ sich als Sexverbrecher registrieren und kam nach einer gut einjährigen Gefängnisstrafe frei. Er erhielt Hafterleichterungen. Er durfte täglich zur Arbeit und schlief in einem Privattrakt des Gefängnisses. Ein Verfahren vor einem Bundesgericht blieb ihm erspart.

Trumps Arbeitsminister Acosta (r.) musste im Zuge der Epstein-Affäre seinen Hut nehmen. | Bildquelle: AP
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Trumps Arbeitsminister Acosta (r.) musste im Zuge der Epstein-Affäre seinen Hut nehmen.

Viele Verstrickungen

Der Staatsanwalt, unter dem dieser Deal damals geschlossen wurde, war Alexander Acosta. Er wurde später Arbeitsminister unter Präsident Trump - und trat infolge der Epstein-Affäre in diesem Monat zurück.

Auch die Deutsche Bank kam durch Epstein ins Rampenlicht: Der Milliardär soll ein guter Kunde des Geldhauses gewesen sein, berichtet etwa Wirtschaftsexperte David Enrich von der "New York Times". Etliche Millionen soll er dort über dutzende Konten ins Ausland transferiert haben. Die Deutsche Bank habe bereits auffällige Bewegungen an die US-Finanzbehörden gemeldet. Unklar ist, inwieweit sie mit Epsteins mutmaßlichen Verbrechen zusammenhängen.

"Guck dir die an, die ist scharf"

Trump will Epstein plötzlich gar nicht mehr gut kennen. Er sei kein großer Fan von ihm gewesen, betonte der Präsident vor Journalisten. Das hörte sich vor ein paar Jahren noch anders an. Da bezeichnete er Epstein im "New York Magazine" als "großartigen Kerl". Unterhaltsam sei er und man erzähle sich, dass Epstein schöne Frauen so gern möge wie er selbst - viele von ihnen jünger. Laut dem Magazin gab Epstein auch stets damit an, dass er es gewesen sei, der Trump auf einer Party seine heutige Frau Melania vorgestellt hat. Es gibt ein Partyfoto mit den dreien.

In diesen Tagen tauchte dann noch ein NBC-Film aus dem Jahr 1992 auf - Trump und Epstein bei einer Party in Trumps Privatklub Mar-a-Lago. Sie flüstern, lachen und zeigen auf die vielen jungen Frauen ringsum: "Guck dir die an", sagt Trump, "die ist scharf."

Über dieses Thema berichteten am 26. Juli 2019 mdr AKTUELL um 09:25 Uhr und NDR Info um 11:50 Uhr.

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