Shopping Mall in Edina USA | imago 79518972

Einzelhandel Das langsame Sterben der Malls

Stand: 17.08.2018 09:21 Uhr

Jahrzehntelang waren gigantische Einkaufszentren in den USA das Symbol für amerikanische Shopping-Kultur. Doch die Malls stecken einer schweren Krise. Daran ist nicht nur der Onlinehandel schuld.

Vom Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Gähnende Leere auf dem Parkplatz. Durch den Torbogen, über dem groß "Eingang zur Mall" steht, geht minutenlang kein Mensch. Dahinter beginnt ein Totentanz in Fliesenoptik. Der Brillenhändler am Eingang ist der einzige Laden, in dem Licht brennt. Gegenüber, rechts und links davon dunkle Schaufenster. Dort waren einmal Läden. Geblieben ist davon ein großes Nichts.

Martina Buttler

Jetzt ist dieser Teil der Virginia Commons Mall am Rande der Stadt Richmond eine Geisterstadt. Geht man weiter, trifft man auf den Food-Court. Hier gibt es erste Lebenszeichen. Zwar sind alle Tische leer, aber immerhin gibt es noch Restaurants. Dann kommen ein paar Läden: Juweliere, Sneakers- und T-Shirt-Geschäfte. Eine Parfümerie. Da stehen einsam einzelne Verkäufer. Kunden könnten sie per Handschlag begrüßen - so wenige verirren sich in diese Mall.

Ausverkauf in einer Shopping Mall in Edina USA | Imago 79452574

Ausverkauf in einer Shopping Mall in Edina, Minnesota. Bild: Imago 79452574

Der Geschmack der Menschen hat sich verändert

"Alle Malls müssen sich im 20-Jahres-Rhythmus neu erfinden", erzählt Frank Thornton, Vertreter von Henrico County, wo die Virginia Commons Mall liegt. Dann würde sich der Geschmack der Menschen ändern.

Malls stehen vor neuen Herausforderungen, beobachtet er: "Sie kämpfen mit dem Online-Shopping und es gibt wohl momentan die Tendenz, dass Kunden eher Open-Air-Malls mögen". Zudem suchten sie ein "anderes Einkaufs-Erlebnis". Die Idee: Eine Mall soll mehr sein, als nur Geschäfte. Restaurants oder Kinos sollen die Kunden in die Mall ziehen.

In der Virginia Commons Mall stehen die Massage-Sessel still. Die roten Einkaufsautos, in denen Kinder rumkurven könnten, stehen alle unbenutzt in Reih und Glied. Die Musik aus den Boxen ist gedämpft und am Ende eines trostlosen Gangs hängt ein großes Plakat. Da drauf steht: "Life gets better on the other side of this wall" - "Das Leben wird hinter dieser Wand besser". Dort hat sich ein Fitness-Studio eingemietet. Nur vor diesem Eingang der Mall halten regelmäßig Autos, Menschen steigen aus und gehen rein. Die Leute wollen hüpfen, Gewichte heben, sich auspowern.

Zum Einkaufen kommt kaum noch jemand

Zum Einkaufen kommt in die Mall kaum noch jemand. Thornton erzählt, wie versucht wird, dem Mall-Sterben etwas entgegenzusetzen: "Es gibt mehr Mischnutzungen, mit Wohnraum und Entertainment. Das erwarten die Leute hier und auch im Rest des Landes."

In der Nähe der Virginia Commons Mall hat ein anderer Einkaufstempel die Wende geschafft. Noch vor ein paar Monaten hatten Kunden online über die Geister-Mall geschrieben. Inzwischen ist hinter jeder Tür wieder ein Laden. Mittendrin ein bisschen Grün und ein paar Lounge-Sessel. Der Mall wurde neues Leben eingehaucht.

Viele machen aber auch für immer dicht. In der Hochzeit der Malls in den 90er-Jahren gab es noch rund 1500 Malls in den USA. Ein Drittel davon ist bereits tot. Experten gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren mindestens jede fünfte Mall dicht machen wird.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 17. August 2018 um 09:35 Uhr im "Morgenecho".

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KOMMENTARE

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wibo 17.08.2018 • 17:25 Uhr

ich fühle mich in diesen Dingern unwohl

Ich komme mir eingesperrt vor, das Kaufen einer Kleinigkeit dauert gern mal 2 Stunden. Das Sortiment - stets der gleiche Einheitsbrei in jedem Laden, meist Ketten, kein Fachhandel. Klar kauft man dann im Internet, da gibts halt noch etwas mehr Auswahl. Ich brauche sowas nicht, für mich ist "shoppen" das Gleiche wie einkaufen, ich mag beides nicht.