Screenshot aus Video der "Informationsagentur der Volksrepublik Lugansk“

Angebliche Beweise für US-Lieferungen Potemkinsche Waffen im Donbass?

Stand: 24.07.2015 16:56 Uhr

Angeblich haben Separatisten im Donbass zurückgelassene US-Waffen entdeckt. Die Führung der selbsternannten "Volksrepublik Lugansk" präsentierte ein Video als Beweis. Dies lässt jedoch mehr Zweifel offen, als es ausräumen kann.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Es wäre eine Sensation: Beim Aufräumen der Trümmer am Flughafen Lugansk haben Arbeiter angeblich ein Depot mit Munition, Handfeuerwaffen und schweren Waffen - darunter auch solche aus US-Armeebeständen - entdeckt. Das berichtet das Nachrichtenportal "Sputnik Deutschland" des staatlichen russischen Medienunternehmens Rossija Sewodnja.

Spektakuläre Entdeckungsmission mit Kamerabegleitung

Unter anderem seien infrarotgelenkte Flugabwehr-Raketen vom Typ Stinger sichergestellt worden - mit Markierungen der US-Armee, sagte der Lugansker Staatsanwalt Leonid Tkatschenko. Diese wären ein Beweis dafür, dass die USA entgegen anderslautender Angaben tödliche Waffen in das Konfliktgebiet geliefert hätten. Auch die großen russischen Medien wie die "Prawda", die Nachrichtenagentur RIA Novosti und das Staatsfernsehen verbreiteten die Nachricht.

Screenshot aus Video der "Informationsagentur der Volksrepublik Lugansk“
galerie

Anfangs ist das Video noch farbig - beim angeblichen Entdecken der Waffen wechselt es in den Nachtsichtmodus.

Screenshot aus Video der "Informationsagentur der Volksrepublik Lugansk“
galerie

In der Baracke wurde angeblich auch eine Großpackung Nudeln mit Rindfleischsoße der US-Armee gefunden.

Auf der Webseite der Informationsagentur der selbsternannten "Volksrepublik Lugansk" ist ein Video der Aktion zu finden. Tatsächlich sind dort Behälter und Kisten mit Aufschriften der US-Armee zu sehen. Dass die Waffen erst jetzt gefunden worden seien, begründet Tkatschenko damit, dass der Eingang der verlassenen Baracke unter Trümmern verschüttet und mit Sprengfallen gesichert gewesen sei.

Plötzlich wird es dunkel

Inzwischen ist es in den russischen Medien jedoch eher ruhig um den angeblichen Skandal geworden. Das könnte daran liegen, dass es mit der Beweiskraft des Videos so eine Sache ist: Die Aufnahmen, zu Beginn noch hochauflösend und Farbe, wechseln bei der Entdeckung der angeblichen US-Militärgüter plötzlich in einen diffusen Schwarzweiß-Nachtsichtmodus. Nach dem Heraustragen werden die Waffen nur noch in Weitwinkelansicht gezeigt - Details sind so nur schwer zu erkennen.

So schreibt die US-Armee nicht

Trotzdem fallen einigen Dinge auf: So sind bei der Beschriftung der angeblichen Waffen und ihrer Verpackungen gleich mehrere Rechtschreibfehler zu finden. Die Stinger-Präzisionswaffen wirken zusammengebastelt und weisen zum Beispiel grobe Schweißnähte auf, die an echten Raketen nicht zu finden sind. Die Polsterung der Sprengkörper sieht ebenfalls eher unprofessionell aus.

Screenshot aus Video der "Informationsagentur der Volksrepublik Lugansk“
galerie

Beim "TRAINER" fehlt das T - dafür haben die angeblichen Raketenwerfer unprofessionelle Schweißnähte, die beim Original nicht zu finden sind.

Screenshot aus Video der "Informationsagentur der Volksrepublik Lugansk“
galerie

"LOUDED" statt "LOADED", eine Polsterung mit einer Art Hackschnitzel - so werden Stinger-Raketen der US-Armee nicht transportiert.

Laut Staatsanwalt Tkatschenko ist die Identifizierung der Waffen "vorläufig". Sie würden jetzt weiter untersucht. Ob und gegebenenfalls welches endgültige Ergebnis veröffentlich wird, dürfte spannend werden.

Darstellung: