Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi | AP

Italien Der "Super Green Pass" für die Normalität

Stand: 06.12.2021 04:30 Uhr

Ab heute verschärft Italien seine Corona-Maßnahmen. So wird in einigen Bereichen die 2G-Regel verpflichtend, etwa in Bars und Restaurants. Die 3G-Regel, als Greenpass bekannt, wird ausgeweitet.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

In Rom, aber auch in vielen anderen Städten in Italien stehen die Menschen Schlange. Sie wollen sich zum dritten Mal gegen Corona impfen lassen, nach Regierungsangaben haben den Booster mehr als 40 Prozent derjenigen erhalten, deren letzte Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Manche allerdings bekommen ihre erste Impfung. Eine Frau in Mantua meint, dass es keine andere Lösung gebe, man müsse es tun. Ab heute dürfen die Menschen in Italien nur noch in Bars oder Restaurants essen, wenn sie geimpft oder genesen sind. Super Green Pass wird diese 2G-Regel genannt. Der Nachweis wird nun auch für Stadien, Theater oder Diskotheken gebraucht.

Draghi: "Wir wollen unsere Freiheit bewahren"

Bei der Vorstellung der Pläne hatte Ministerpräsident Draghi deutlich gemacht, dass die Freiheiten, die sich Italien in den vergangenen Monaten mühsam erarbeitet hatte, bewahrt werden sollen. Lockdowns müsse man verhindern. Dafür wird nun auch die 3G-Regel, in Italien der Green Pass, auf weitere Bereiche ausgedehnt.

Im öffentlichen Nahverkehr, etwa im Bus oder in der Straßenbahn gilt er genauso wie für Übernachtungen im Hotel. Am Arbeitsplatz ist er schon seit dem 15.Oktober Pflicht, in Fernzügen und Überlandbussen seit September. Mit all diesen Vorschriften sollen die Menschen zum Impfen bewegt werden, mehr als 87 Prozent der über 12-Jährigen haben mindestens einmal eine Dosis erhalten.

Steigende Zahlen, aber vergleichsweise niedrig

In Italien sind die Corona-Infektionen deutlich angestiegen, mehr als 15.000 Menschen hatten sich innerhalb von 24 Stunden angesteckt. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei rund 164. Vor allem in den Altersbereichen mit vielen Ungeimpften würden die Fallzahlen steigen, warnte Gesundheitsexperte Gianni Rezza.

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern sind die Werte zwar niedrig, aber genau deshalb sollen die Maßnahmen vorausschauend verschärft werden. Dafür wird auch die Impflicht für bestimmte Berufsgruppen ausgeweitet. Schon jetzt gilt sie für das Gesundheitspersonal, ab Mitte Dezember auch für Lehrerinnen und Lehrer und für Sicherheitskräfte.

In Südtirol befürchten die Gewerkschaften, dass es zu einer Kündigungswelle bei den Lehrern kommen könnte. In der Region lehnen viele Menschen eine Impfung ab, die Sieben-Tages-Inzidenz ist dort durchschnittlich viermal höher als im restlichen Italien. Südtirol wird wie Friaul-Julisch-Venetien zur sogenannten gelben Zone, es gelten schärfere Regeln wie beispielsweise eine Maskenpflicht im Freien bei Menschenansammlungen. Diese hatte Südtirol allerdings selbst schon eingeführt.

Maskenpflicht im Freien

Viele Städte wie Rom, Mailand, Florenz oder Neapel haben eine Maskenpflicht für draußen eingeführt, vor allem in den Zentren. Wegen der Weihnachtseinkäufe sind viel mehr Menschen unterwegs, ein weiteres Ansteigen der Infektionen soll damit vermieden werden.

Die meisten Italienerinnen und Italiener finden das richtig und notwendig, sie möchten nicht nochmals einen Lockdown an den Weihnachtstagen erleben. Auch den "Super Green Pass", also die 2G-Regel, befürworten viele. Noch vor der Einführung gaben in einer Umfrage 56 Prozent der Befragten an, dass sie ihn gut finden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 06. Dezember 2021 um 10:04 Uhr.