Eine Frau wird in den USA in ihrem Auto gegen Corona geimpft. | AP

Corona in den USA Viele Impfungen - wieder mehr Neuinfektionen

Stand: 10.04.2021 09:33 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in einigen US-Staaten dramatisch an. Die Regierung will mit steigendem Impftempo dagegenhalten. Impfgegner könnten den ambitionierten Plan aber zunichtemachen.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Washington

Sie geht wieder nach oben - die Zahl der Neuinfektionen in den USA. Im Wochenvergleich stieg sie um mehr als zwei Prozent. Besonders in zwei Bundesstaaten ist die Entwicklung dramatisch: Minnesota und Michigan. Deshalb forderte Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer die Schulbezirke auf, bei den High Schools für zwei Wochen auf virtuellen Unterricht umzusteigen. Zudem sollten sämtliche Trainings und Wettbewerbe von Jugendsportvereinen eine zweiwöchige Pause einlegen, und alle Bewohner Michigans sollten bei Restaurantbesuchen auf den Aufenthalt in Innenräumen verzichten, so die Gouverneurin.

Nicole Markwald ARD-Studio Los Angeles

Whitmer hat außerdem die Biden-Regierung um mehr Impfdosen für ihren Bundesstaat gebeten - bislang ohne Erfolg. Stattdessen hat Washington Unterstützung angeboten, um die vorhandenen Impfungen schneller zu verteilen.

Klar ist: In Michigan und auch im Rest des Landes hat sich die in Großbritannien entdeckte Variante des Coronavirus ausgebreitet. Die unter der Bezeichnung B.1.1.7 bekannte Mutante ist leichter übertragbar und infektiöser und laut der Direktorin der US-Gesundheitsbehörde CDC Rochelle Walensky nun die häufigste Form im Land.

Walensky betrachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge. Sowohl die Zahl der Infektionen als auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte steige. Besonders in Kindergärten und beim Jugendsport scheine es derzeit größere Ausbrüche zu geben. Sie betonte, dass momentan eher jüngere Leute in den 30ern und 40ern mit schweren Verläufen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

Jeder Fünfte vollständig geimpft

Unterdessen kommen die USA mit ihrer Impfkampagne gut voran: jeder Fünfte im Land ist inzwischen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Im Schnitt haben in der zurückliegenden Woche pro Tag rund drei Millionen Menschen eine Impfung erhalten. Rund 112 Millionen Menschen sind seit dem Start der Impfkampagne Mitte Dezember zumindest mit einer Impfdosis versorgt worden - rund ein Drittel der Bevölkerung.

Die Orte, an denen geimpft wird, könnten unterschiedlicher nicht sein: Auf Parkplätzen von großen Sportstadien wurden Zentren eingerichtet, in kleinen Apotheken wird gespritzt, Impfmobile fahren ländliche Gegenden an. Und US-Präsident Joe Biden glaubt, dass sich das noch steigern lässt. Er hat das Impfziel für seine ersten 100 Amtstage erhöht: Statt ursprünglich 100 Millionen Impfungen in dieser Zeit sollen es doppelt so viele werden.

Außerdem wird es nun noch einfacher, einen Termin für die Impfung zu machen. Ab dem 19. April kann sich jeder Erwachsene für eine Impfung anmelden, früher als ursprünglich erwartet. Viele Bundesstaaten, darunter die bevölkerungsreichen Staaten wie Florida, New York und Texas, hatten die Priorisierung von bestimmten Gruppen ohnehin schon abgeschafft. Das sind die guten Nachrichten.

Weniger Impfstoff-Lieferungen

Allerdings wird sich das Impf-Tempo etwas verlangsamen. Der US-Hersteller Johnson & Johnson liefert in der kommenden Woche weitaus weniger Dosen seines Impfstoffes. Zum Vergleich: In der zurückliegenden Woche wurden 4,9 Millionen Dosen ins ganze Land geliefert, kommende Woche werden es nur 700.000 sein, wie die CDC berichtet. Noch immer wartet das Unternehmen auf grünes Licht von der Food and Drug Administration für eine Fertigungsanlage in Baltimore, um die Produktionsprobleme in den Griff zu bekommen.

Doch schon jetzt gibt es Orte in den USA, an denen das Angebot von Impfterminen größer ist als die Nachfrage, wie zum Beispiel im US-Bundesstaat Mississippi. Und das deutet auf ein anderes Problem hin, auf das die USA zusteuern: Wie sind diejenigen von der Impfung zu überzeugen, die sie bislang ablehnen?

Eine so genannte Herdenimmunität - also der Punkt, an dem sich das Virus nicht mehr weiter verbreitet - kann nach Expertenmeinung nur erreicht werden, wenn zwischen 70 und 90 Prozent aller US-Bürger geimpft sind. Davon sind die USA noch weit entfernt. So sehr US-Präsident Biden den bisherigen Erfolg der Impfkampagne lobt, so klar ist ihm auch das Ausmaß des Unterfangens. Zu viele Menschen denken, das Ende sei in Sicht, so Biden. Dabei gebe es bis zur Ziellinie noch viel Arbeit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2021 um 06:26 Uhr.