Eine Schülerin nimmt an Schulunterricht in Hohhot teil | Bildquelle: picture alliance / Ding Genhou /

Innere Mongolei in China Proteste gegen Sprachvorgaben in Schulen

Stand: 04.09.2020 11:36 Uhr

Chinas Regierung geht seit Jahrzehnten systematisch gegen viele ethnische Volksgruppen im Land vor. Jetzt will sie die mongolische Sprache aus den Schulen verbannen. Dagegen regt sich heftiger Protest.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In zahlreichen Städten im chinesischen Landesteil Innere Mongolei hat es in den vergangenen Tagen Proteste gegen neue Vorgaben für den Schulunterricht gegeben. Beteiligte berichten von Demonstrationen und Streiks. Die vom Staat kontrollierten Medien ignorieren die Proteste überwiegend, im Internet finden sich jedoch Berichte, unter anderem von Eltern. Sie wehren sich dagegen, dass bestimmte Schulfächer nicht mehr wie bisher auf Mongolisch unterrichtet werden dürfen. Sie fürchten, dass dadurch die kulturelle Identität der Mongolen in China weiter zurückgedrängt wird.

Die Staats- und Parteiführung in Peking hatte die neuen Sprachregeln erst wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres bekannt gegeben. Sie betreffen Schulen, in denen bislang vor allem in mogolischer Sprache unterrichtet wurde. Das ändert sich nun: Viele Fächer dürfen von nun an nur noch auf Chinesisch unterrichtet werden. Lehrpläne wurden entsprechend verändert, Schulbücher ausgetauscht.

Behörden wollen Proteste klein halten

Auch Intellektuelle und Kulturschaffende protestieren gegen die neuen Regeln. Ein prominenter mongolisch-chinesischer Künstler, der aus Angst vor Repressionen anonym bleiben will, sagte der ARD: "Der Fall hat in den vergangenen Tagen viele Menschen bewegt. Viele Leute sind sehr aufgebracht. Sie haben Petitionen gegen die neuen Schulregeln unterschrieben und eingebracht. Die Hoffnung ist nun, dass die politischen Entscheider die öffentliche Meinung wahrnehmen."

Die chinesischen Behörden versuchen, die Proteste klein zu halten. Mit Fahndungsfotos sucht die Polizei nach vermeintlichen Anführern. Ein Reporter der "Los Angeles Times" wurde nach eigenen Angaben von der Polizei verhaftet und mehrere Stunden lang eingesperrt, als er in der Hauptadt der Inneren Mongolei, Hohhot, zum Thema recherchierte.

Innere Mongolei hat eigentlich Autonomiestatus

Die kommunistische Staatsführung drängt kulturelle Merkmale vieler ethnischer Volksgruppen in China seit Jahrzehnten systematisch zurück. Betroffen sind vor allem Tibeter und Uiguren. Der chinesische Landesteil Innere Mongolei besitzt auf dem Papier einen Autonomiestatus. Tatsächlich aber werden alle wichtigen politischen Entscheidungen von der Zentralregierung in Peking gefällt. An den chinesischen Landesteil Innere Mongolei grenzt der Staat Mongolei. Er wird demokratisch regiert.

China: Widerstand und Proteste gegen Beschränkungen für mongolische Sprache
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
04.09.2020 10:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. September 2020 um 13:09 Uhr.

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