Der chinesische UN-Botschafter und aktueller Präsident des UN-Sicherheitsrats Zhang Jun spricht zur Lage in Nahost | EPA

Spagat im Nahost-Konflikt China sucht Nähe zu beiden Seiten

Stand: 18.05.2021 10:33 Uhr

China hat aktuell den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat - und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Vermittlung im Nahost-Konflikt. Traditionell unterstützt Peking die Palästinenser - pflegt aber deutlich engere Beziehungen mit Israel.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Was die internationale Bedeutung angeht, sieht sich China längst auf Augenhöhe mit den USA und der Europäischen Union. Was aber ihren diplomatischen Einfluss in Krisengebieten angeht, ist Chinas Führung weiterhin relativ schwach. Das zeigt sich im Konflikt zwischen Israel und Palästinensern.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Chinas Außenminister Wang Yi drängt zwar vehement auf ein Ende der Gewalt. Wirkliches Gewicht haben seine Worte im Nahen Osten allerdings nicht. Und das, obwohl die Volksrepublik diesen Monat den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat hat. Dort versuchte China in den vergangenen Tagen gemeinsam mit anderen Staaten mehrmals, eine Resolution zum Ende der Feindseligkeiten beschließen zu lassen. Diese scheiterte aber jeweils am Veto der Vereinigten Staaten.

Das wiederum nutzten Chinas Partei- und Staatsmedien zu Verbalattacken gegen die US-Regierung: Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, rief die US-Regierung gestern auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und eine faire Position im Nahost-Konflikt einzunehmen. Die USA sollten dem Sicherheitsrat dabei helfen, den Konflikt zu entschärfen und Vertrauen wiederherzustellen.

China will Zweistaatenlösung

Am Sonntag stellte Chinas Außenminister Wang Yi einen Vierpunkte-Plan vor, um den Nahost-Konflikt zu befrieden. Im Kern steht die Forderung nach einer Zweistaatenlösung, für die Chinas Staatsführung seit langem wirbt. Traditionell sieht sich die Kommunistische Führung in Beijing als Unterstützerin des Palästinensischen Volkes. Bereits in den 1970er-Jahren durfte die Palästinensische Befreiungsorganisation eine offizielle Botschaft in der chinesischen Hauptstadt eröffnen.

Diplomatische Beziehungen zu Israel nahm die Volksrepublik erst Anfang der 1990er-Jahre auf. Seitdem aber sind die Beziehungen zwischen China und Israel gut. Erst vor vier Wochen sprach der neue chinesische Botschafter in Israel, Cai Run, von einer "altehrwürdigen Freundschaft" zwischen beiden Völkern. Unter anderem in Bereichen Forschung und Technologie arbeiten beide Seiten eng zusammen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 19. Mai 2021 um 06:30 Uhr.