Demonstranten werfen in Bristol die Statue eines Sklavenhändlers ins Hafenbecken | Bildquelle: dpa

Demonstration in Bristol Sklavenhändler-Statue vom Sockel geholt

Stand: 08.06.2020 00:45 Uhr

Schon seit Jahren gab es in Bristol wegen der Statue eines Sklavenhändlers Streit - jetzt haben sie Teilnehmer einer Anti-Rassismus-Demo ins Hafenbecken geworfen. "Zutiefst schändlich", befand Innenministerin Patel.

Bei Anti-Rassismus-Protesten im englischen Bristol haben Demonstranten die Statue eines Sklavenhändlers von einem Sockel geholt und ins Hafenbecken geworfen. Die Menschen zogen eine Schlinge um den Hals der Statue von Edward Colston und brachten sie zu Fall. Unter Jubelschreien schleppten sie die Bronzestatue zum Hafen, wo sie sie im Fluss Avon versenkten.

Die Polizei in der Stadt im Südwesten Englands kündigte Ermittlungen wegen Sachbeschädigung an. An der friedlichen Demonstration hatten nach Angaben des örtlichen Polizeichefs etwa 10.000 Menschen teilgenommen.

Der im 17. Jahrhundert in eine wohlhabende Händlerfamilie geborene Colston arbeitete für die Königlich-Afrikanische Gesellschaft, die jährlich rund 5000 Menschen versklavte. Später erwarb Colston sich durch Spenden an Schulen und Krankenhäuser den Ruf eines Philanthropen.

Schon vor den neuerlichen Protesten in den USA gegen Polizeigewalt und Diskriminierung Schwarzer hatte das Denkmal für den Sklavenhändler als Schandfleck in der Stadt gegolten. 11.000 Bürger unterzeichneten eine Petition mit der Forderung, es zu entfernen.

Lob und Kritik aus der Politik

Die britische Innenministerin Priti Patel nannte das Vorgehen der Demonstranten in Bristol "zutiefst schändlich". Patel sagte im Sender Sky News: "Das ist ein völlig inakzeptabler Akt und spricht erneut für den Vandalismus, wie wir ihn gestern in London gesehen haben." Die Polizei in der britischen Hauptstadt hatte am Samstag nach einer weitgehend friedlichen Demonstration mit tausenden Teilnehmern 29 Menschen festgenommen - nach Zusammenstößen mit Polizisten im abgesperrten Regierungsviertel.

Bristols Bürgermeister Marvin Rees erklärte hingegen, die 1895 errichtete Statue habe seit Jahren für Kontroversen gesorgt. Es sei wichtig, denjenigen zuzuhören, für die sie ein Affront gewesen sei. Clive Lewis, Abgeordneter der oppositionellen Labour-Partei, begrüßte auf Twitter die Entfernung der Statue. "Jemand, der für unermessliches Blut und Leid verantwortlich ist. Wir werden den strukturellen Rassismus nie lösen, solange wir unsere Geschichte in ihrer ganzen Komplexität nicht in den Griff bekommen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juni 2020 um 04:48 Uhr.

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