Die EU-Flagge weht vor dem britischen Parlament. | Bildquelle: dpa

EU-Bürger nach Brexit Wer bleiben will, muss sich bewerben

Stand: 21.06.2018 18:51 Uhr

Es ist einer der größten Streitpunkte in den Brexit-Verhandlungen: Was geschieht mit den 3,5 Millionen EU-Bürgern in Großbritannien nach dem EU-Austritt? Dazu hat London nun konkrete Pläne vorgelegt.

Die britische Regierung hat Pläne für das Aufenthaltsrecht von EU-Bürgern in Großbritannien nach dem Brexit vorgelegt. Demnach sollen EU-Bürger, die in Großbritannien leben, bis Ende Juni 2021 die Möglichkeit haben, sich für einen dauerhaften Aufenthalt nach dem Brexit zu bewerben, teilte das britische Innenministerium mit. Sie müssten lediglich Wohnsitz und Identität nachweisen und Auskunft über Vorstrafen geben. Der Antrag koste 65 Pfund für Erwachsene (umgerechnet rund 74 Euro) und 32,50 Pfund für Kinder.

Das Antragsverfahren solle "so einfach wie möglich sein", sagte Innenminister Sajid Javid. So können die Anträge im Internet oder über eine App auf dem Smartphone gestellt werden.

Schätzungen zufolge leben etwa 3,5 Millionen EU-Bürger im Vereinigten Königreich. Für alle wird es verpflichtend sein, den Antrag auf Niederlassungserlaubnis zu stellen. Wer bereits fünf Jahre in Großbritannien gelebt hat, erhält eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis. Auch wer nach dem Austrittsdatum am 29. März 2019 nach Großbritannien kommt, darf bleiben, muss sich aber bei der Einreise registrieren lassen. Nach dem Ende der geplanten Brexit-Übergangsphase im Dezember 2020 soll dann aber endgültig Schluss sein mit der unkontrollierten Einwanderung von EU-Bürgern - wie sie laut EU-Statuten möglich ist.

Theresa May | Bildquelle: dpa
galerie

Die britische Ministerpräsidentin Theresa May will EU-Bürgern durch den Antrag ein Bleiberecht ermöglichen.

Guy Verhofstadt | Bildquelle: ANDY RAIN/EPA-EFE/REX/Shuttersto
galerie

Guy Verhofstadt ist dagegen verärgert über die Gebühr, die für den Antrag gezahlt werden muss.

"EU-Bürger werden bestraft"

Kritik kam umgehend vom Brexit-Beauftragten des Europaparlaments, Guy Verhofstadt. EU-Bürger würden durch die Gebühren für den Brexit bestraft werden, kritisierte er die Pläne. Gleichzeitig klagte er über einen "Mangel an Vorbereitungen" für das Schicksal der rund eine Million britischen Bürger, die derzeit in anderen EU-Ländern leben.

Das Schicksal von Millionen von EU-Bürgern in dem Land war bislang eines der schwierigsten Themen in den Brexit-Verhandlungen. Ein weiteres ist die Frage nach möglichen Grenzkontrollen zu Irland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2018 um 19:00 Uhr.

Darstellung: