Versuchsreaktor von Babcock&Wilson in Virginia

Neue Atomreaktoren in den USA Kleiner - aber auch sicherer?

Stand: 21.02.2013 09:05 Uhr

Auch nach dem Super-GAU von Fukushima ist das Interesse an der Atomkraft immer noch groß. Die USA setzen dabei auf kleinere Reaktoren, die angeblich sicherer sind. Doch entscheidende Probleme wie die Frage nach der Lagerung des Atommülls bleiben ungelöst.

Timo Fuchs

Von Timo Fuchs, HR-Hörfunkstudio Washington

Auf der Testanlage für die neuen Atomkraftwerke ragt ein 30 Meter hoher Turm in den blauen Himmel über Virginia. Im Turm folgt der Chef der Anlage einem Gewirr von Rohren nach unten, bis er den Reaktor erreicht. Chris Mowry stellt sich direkt daneben, nur mit Helm, ansonsten komplett ohne Schutzkleidung. "Das ist unser Heizkörper", sagt er, "funktioniert wie ein Toaster".

Im Testreaktor wird die Kernspaltung mit Elektrizität nachgeahmt. Radioaktives Material gibt es hier also nicht. Dafür aber eine gigantische Stromrechnung am Ende des Monats.

Doch die Investition lohnt sich, da ist man sich bei Babcock&Wilcox sicher. Die Nachfrage nach Atomkraft werde steigen, weil klimafreundliche Energie unumgänglich sei. Dass Deutschland für seine Energiewende Atomkraft abschaltet, werde bestimmt nicht zum Trend. Denn neben Wind- und Solaranlagen brauche man die Kernenergie, um eine saubere Stromversorgung auch durchgehend garantieren zu können.

Auch die US-Regierung steht hinter der Atomkraft. In seiner ersten Amtszeit forderte Präsident Barack Obama den Bau neuer Kraftwerke, um mehr Jobs und saubere Energie zu bekommen.

Mit über 400 Millionen Dollar fördert die US-Regierung die Forschungsanlage in Virginia, wo man eine Reaktoranlage entwickelt, die wesentlich kleiner ist als die klassischen - und billiger. Mit rund 1,5 Milliarden Euro werde sie nur noch rund zehn Prozent eines herkömmlichen AKW kosten, dafür aber bis zu 15 Prozent der Leistung erbringen.

Versuchsreaktor von Babcock&Wilson in Virginia

Fast unscheinbar im Vergleich zu herkömmlichen AKW: Der Versuchsreaktor von Babcock&Wilson in Virginia

Die Nachfrage ist ungebrochen

Interessenten gebe es überall, sagt Mowry, in Großbritannien, Finnland und Polen, aber auch in Entwicklungsländern. Denn vor allem dort wird der Hunger nach Strom immer größer. "Außerdem brauchen die kleinen Kraftwerke keine aufwändigen Netze. Weil sie weniger leisten, lassen sich an ganz einfache Netze anschließen", so Mowry.

Auch nach Ansicht der World Nuclear Association steigt der Bedarf. Mindestens 45 Länder wollten die Atomkraft ausbauen, heißt es, darunter auch Italien und die Türkei.

Viel sicherer als Fukushima?

Die Testanlage in Virginia wurde 2011 errichtet, ausgerechnet im Jahr des Atomunglücks von Fukushima. Eine solche Tsunami-Katastrophe könne den neuen Kraftwerken allerdings nichts anhaben, versichert Mowry. Denn sie sollen später praktisch ganz unter der Erdoberfläche liegen. Ein Tsunami könne da nichts wegspülen, auch seien die Schwingung eines Erdbebens über der Oberfläche viel gefährlicher.

Zudem kämen die kleinen AKW bis zu zwei Wochen lang mit einer eigenen Stromversorgung aus. In Fukushima waren die Batterien schon nach Stunden leer, deshalb setzte eine Kernschmelze ein.

Babcock&Wilson-Manager Chris Mowry

Glaubt an die Renaissance der Atomkraft: Manager Chris Mowry

Beim Thema Sicherheit bleibt allerdings unter anderem die Frage, ob die neuen Kraftwerke näher an die Bevölkerung heranrücken. Denn wenn sie weniger Leistung als die klassischen Meiler erbringen, dann werden möglicherweise auch mehr Kraftwerke gebaut.

Völlig ungeklärt ist übrigens auch die Entsorgung des strahlenden Mülls. Denn auch in den USA treibt man die Atomkraft weiter voran, ohne auch nur einen einzigen Ort zu haben, an dem das hochradioaktive Material dauerhaft gelagert werden kann. 

Dieser Beitrag lief am 20. Februar 2013 um 13:54 auf HR Info.