Blick auf die Skyline von Wuhan (Archivbild) | AFP

Corona-Pandemie Wuhan lässt alle Einwohner testen

Stand: 03.08.2021 10:48 Uhr

Mehrere Monate gab es in Wuhan keine neuen Corona-Fälle infolge heimischer Ansteckungen mehr. Doch nun breitet sich auch in der chinesischen Metropole die Delta-Variante aus. Elf Millionen Bürger sollen getestet werden.

Rund ein Jahr nach dem Auftreten der letzten Corona-Infektionen in der chinesischen Stadt Wuhan haben die Behörden Massentests für alle Einwohnerinnen und Einwohner angekündigt. Wie ein Vertreter der Stadtverwaltung mitteilte, sollen nach mehreren gemeldeten Corona-Fällen in der Stadt alle elf Millionen Bewohner "rasch" auf das Virus getestet werden. Die jüngsten Infektionen seien bei Wanderarbeitern festgestellt worden. Die Stadt hatte am Montag erstmals wieder drei neue Fälle bestätigt, die nicht aus dem Ausland eingeschleppt wurden.

Die chinesische Regierung verfolgt eine sogenannte Null-Covid-Strategie: Im Kampf gegen den größten Corona-Ausbruch seit Monaten wurden bereits mehrere Städte unter einen strikten Lockdown gestellt, Reisebeschränkungen für das Inland verhängt und zahlreiche Menschen auf das Virus getestet.

Die Nationale Gesundheitskommission teilte mit, am Vortag seien landesweit 90 Neuinfektionen gemeldet worden, 61 davon durch eine Übertragung im Inland, 29 unter Personen, die aus dem Ausland gekommen seien. Seit Mitte Juli wurden im ganzen Land mehr als 400 neue Fälle entdeckt.

In Wuhan stürmten viele Menschen schon am Montagabend die Geschäfte, um sich vor einem möglichen neuen Lockdown mit Lebensmitteln einzudecken. Vor dem strikten Lockdown im vergangenen Jahr, als die Stadt 76 Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten war, hatte es ebenfalls Hamsterkäufe gegeben. Behördenvertreter forderten die Menschen in den Online-Netzwerken auf, nicht in Panik zu verfallen: Die Geschäfte hätten versichert, Preise stabil zu halten und für Nachschub zu sorgen.

Delta-Variante breitet sich auch in China aus

Die neuen Infektionsfälle gehen nach Einschätzung der chinesischen Gesundheitsbehörden auf einen Infektionsherd in der ostchinesischen Metropole Nanjing zurück, wo inzwischen Einschränkungen für Hunderttausende Menschen gelten. Dort waren vor knapp zwei Wochen neun Reinigungskräfte am internationalen Flughafen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Inzwischen breitet sich auch in China die Delta-Variante auf immer mehr Städte aus. Mehr als 20 Städte in rund einem Dutzend Provinzen sind von den Infektionsherden betroffen, darunter auch die Hauptstadt Peking. Am Dienstag wurde die Touristenstadt Zhangjiajie in der Provinz Hunan, wo mehrere Infizierte aus Nanjing ein Theaterfestival besucht hatten, abgeriegelt. Niemand dürfe die Stadt mehr verlassen, weder Einwohner noch Touristen, hieß es in einer kurzen Mitteilung in der Lokalzeitung der Kommunistischen Partei, "Zhangjiajie Daily".

Chinesische Impfstoffe offenbar weniger effektiv

Regierungsnahen Wissenschaftlern zufolge sind die chinesischen Impfstoffe weniger effektiv gegen neue Varianten des Coronavirus wie Delta, das zuerst in Indien festgestellt wurde. Mehr als 1,6 Milliarden Impfstoffdosen wurden in China bisher verabreicht, alle aus heimischer Produktion.

Das Coronavirus war im Dezember 2019 weltweit erstmals im zentralchinesischen Wuhan aufgetreten. Als Reaktion hatte die Regierung die Menschen in der Stadt für 76 Tage in einen Lockdown geschickt. Mit strikten Maßnahmen ging das bevölkerungsreichste Land seitdem gegen das Coronavirus vor, weshalb es - von einigen lokalen Ausbrüchen abgesehen - schon seit dem vergangenen Sommer so gut wie keine Infektionen mehr gibt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2021 um 10:00 Uhr.