Ein Offshore-Containerschiff treibt nach dem Taifun Tauktae im Meer, fotografiert von oben aus dem regenverhangenen Fenster eines Helikopters. | AFP

Zyklon "Tauktae" in Indien Etwa 100 Menschen auf See vermisst

Stand: 18.05.2021 11:37 Uhr

Nach einem der schwersten Stürme seit Jahrzehnten an der indischen Westküste laufen noch immer Rettungseinsätze auf See. Zwei Tanker gerieten in Seenot, knapp 100 Menschen werden vermisst. 177 konnte die Marine bisher retten.

Mindestens 24 Tote sowie 96 Vermisste - das ist die vorläufige Bilanz des Zyklons "Tauktae" im Westen Indiens. Die indischen Behörden meldeten heute vier weitere Sturmopfer in den Bundesstaaten Maharashtra, Gujarat, Kerala und Goa. Außerdem suchen Rettungsteams vor der Küste Mumbais nach einem Schiffsunglück nach Vermissten. Das Schiff zur Versorgung von Ölbohrinseln war infolge des Zyklons von riesigen Wellen getroffen worden und gesunken.

Wie die indische Marine auf Twitter mitteilte, konnten 177 der 273 Menschen an Bord gerettet werden. 96 weitere würden noch vermisst. Das indische Verteidigungsministerium erklärte, die Suche nach den Vermissten werde fortgesetzt, allerdings unter "extrem herausfordernden Seebedingungen". Die Rettungsarbeiten mit zwei Schiffen und Helikoptern seien schwierig, weil die Wellen sehr hoch und die Winde stark seien, sagte ein Marinesprecher. Darüber hinaus habe die Marine noch von einem anderen Schiff mit 137 Crewmitgliedern einen Hilferuf erhalten.

Hunderttausende ohne Strom

Der Zyklon war mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 Stundenkilometern über den Westen Indiens gezogen. Er verursachte an der Westküste drei Meter hohe Wellen und riss Bäume und Stromleitungen um. In der Folge waren hunderttausende Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. Auf seinem Weg ins Landesinnere schwächte "Tauktae" sich ab. Die indische Meteorologiebehörde stufte ihn inzwischen von einem "extrem schweren Zyklon" auf einen "sehr schweren Zyklon" herab.

Der Flughafen der Millionenmetropole Mumbai wurde für mehrere Stunden geschlossen. Außerdem waren in Vorbereitung auf den Sturm mehr als 200.000 Menschen aus Gefahrenzonen in Sicherheit gebracht worden, Zehntausende kamen in Notunterkünften unter. Gleichzeitig wütet in dem Land eine heftige zweite Corona-Welle. Der Zyklon sei für Millionen Menschen in Indien, die bereits unter der Corona-Pandemie litten, nun ein "heftiger Doppelschlag", sagte Udaya Regmi von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.

Stürme häufen sich

Vor fast genau einem Jahr waren bei dem "Super-Zyklon" "Amphan" mehr als 110 Menschen im Osten Indiens und in Bangladesch ums Leben gekommen. Früher kamen im Arabischen Meer an Indiens Westküste schwere Stürme seltener vor. Durch den Klimawandel mit steigenden Meerestemperaturen ändere sich dies aber, sagte Roxy Mathew Koll vom Indischen Institut für tropische Meteorologie der Nachrichtenagentur AFP. "Das Arabische Meer ist eines der am schnellsten sich erwärmenden Becken in den Weltmeeren", fügte er hinzu.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Mai 2021 um 12:00 Uhr.