Tennisspielerin Peng Shuai (Archivbild) | REUTERS

Verschwundene Tennisspielerin China startet Video-Offensive im Fall Peng

Stand: 21.11.2021 13:45 Uhr

Das Schicksal der verschwundenen Tennisspielerin Peng hat eine politische Ebene erreicht. Die USA, Frankreich und Großbritannien fordern Klarheit über ihren Verbleib. China versucht, den Fall mit Videoclips aus der Welt zu schaffen.

Zweieinhalb Monate vor den Olympischen Spielen in Peking (4. bis 20. Feburar 2022) wächst der Druck auf die chinesische Führung im Fall der verschwundenen Tennisspielerin Peng Shuai, der nun höchste politische Ebenen erreicht hat.

US-Präsident Joe Biden zeigte sich "tief beunruhigt" über das Schicksal von Peng. Seine Sprecherin, Jen Psaki, sagte: "Wir fordern die chinesischen Behörden auf, unabhängige und überprüfbare Beweise über ihren Aufenthaltsort und ihre Sicherheit zur Verfügung zu stellen." China habe eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Kritikern und man verurteile dieses weiterhin.

Peng hatte Anfang November den chinesischen Spitzenpolitiker Zhang Gaoli des sexuellen Übergriffs beschuldigt und ist seitdem nicht mehr öffentlich gesehen worden.

Frankreich droht mit diplomatischen Konsequenzen

Frankreichs Außenministerin forderte die chinesischen Behörden auf, Peng öffentlich sprechen zu lassen, um zu klären, was mit ihr passiert sei, und warnte, falls sie es nicht täte, vor diplomatischen Konsequenzen für Peking.

Auch die britische Regierung forderte China auf, "nachprüfbare Beweise" für die "Sicherheit und den Verbleib" der Sportlerin zu liefern. "Wir sind extrem besorgt über das Verschwinden von Peng Shuai und verfolgen die Angelegenheit genau", erklärte das britische Außenministerium.

Zuvor hatte bereits das Büro der Menschenrechtskommissarin bei den Vereinten Nationen Klarheit über das Wohlbefinden Pengs verlangt. Liz Throssell, die Sprecherin des UN-Menschrechtsbüros in Genf forderte außerdem eine Untersuchung mit, "voller Transparenz" zu Pengs Vorwürfen sexueller Gewalt.

Staatliche Zeitung veröffentlicht Videos

Wohl aufgrund des wachsenden internationalen Drucks veröffentlichte der Chefredakteur der Staatszeitung "Global Times" über das Wochenende diverse Videoclips, die belegen sollen, dass es der früheren Weltranglistenersten im Doppel gut gehe. Allerdings weisen die Videos diverse Ungereimtheiten beim Schnitt auf - und Peng ergreift nicht einmal selbst das Wort.

Ein Clip zeigt die 35-Jährige angeblich in einem Restaurant in Peking mit ihrem Trainer und Freunden.

Ein weiterer soll bei der Eröffnung eines Jugend-Tennisturniers entstanden sein.

Erstaunlicherweise wurden die Videos bei Twitter veröffentlicht, das in China größtenteils der Zensur zum Opfer fällt.

"Dieses Video alleine ist nicht ausreichend"

Entsprechend unbeeindruckt zeigte sich Steve Simon, Chef der internationalen Damentennis-Organisation WTA. "Dieses Video alleine ist nicht ausreichend. Während es positiv ist, sie zu sehen, bleibt es unklar, ob sie frei ist und ihre eigenen Entscheidungen treffen kann", kommentierte der Geschäftsführer den Restaurant-Clip.

Simon hatte bereits zuvor gedroht, die WTA-Tour komplett aus China zurückzuziehen, sollte die Situation mit Peng nicht schnell und zufriedenstellend geklärt werden. Ein Schritt, der die Organisation mehrere Hundert Millionen Dollar kosten würde. In China fanden allein 2019 neun Turniere statt, die WTA Finals sind zudem bis 2028 an Shenzhen vergeben.

Simon bat zudem in einem Brief an den chinesischen US-Botschafter um Hilfe: "Dies ist eine dringende Angelegenheit, die die Aufmerksamkeit von ranghohen Politikern erregen sollte, sodass sie erfolgreich gelöst werden kann." Er fordere, dass Peng das Land verlassen könne oder in einer Telefonkonferenz allein mit ihm reden könne.

Tennisstars besorgt - IOC distanziert

Nachdem sich bereits Stars wie Serena Williams und Naomi Osaka besorgt über Peng Shuai geäußert hatten, haben nun auch Roger Federer und Novak Djokovic das Wort ergriffen. "Diese Nachrichten sind schon sehr beunruhigend. Ich hoffe, sie ist sicher. Die Tennisfamilie steht zusammen", sagte der 40 Jahre alte Schweizer.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte dagegen eher reserviert auf den Fall. "Das IOC schätzt die von so vielen Athleten und Nationalen Olympischen Komitees geäußerten Bedenken. Wir begrüßen auch die Unterstützung der IOC-Athletenkommission für unseren stillen diplomatischen Ansatz", teilte ein Sprecher mit. Dies bedeute, dass man den offenen Dialog mit der olympischen Bewegung in China auf allen Ebenen fortsetzen werde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Sport am Samstag" am 20. November 2021 um 19:10 Uhr.