William Taylor

Nach Anschlag von Kabul Zwei IS-Mitglieder bei US-Angriff getötet

Stand: 28.08.2021 19:02 Uhr

Bei dem Drohnenangriff gegen den IS in Afghanistan sind dem US-Militär zufolge zwei hochrangige Mitglieder der Terrormiliz getötet worden. Am Flughafen in Kabul haben die USA unterdessen mit dem Abzug ihrer Truppen begonnen.

Nach Angaben des US-Militärs sind bei dem US-Drohnenangriff gegen einen IS-Ableger in Afghanistan zwei ranghohe Vertreter der Terrormiliz getötet worden. Eine weitere Person sei verletzt worden, erklärte Generalmajor William Taylor im US-Verteidigungsministerium.

Nach dem unbemannten Luftangriff in der Provinz Nangarhar hatte das US-Militär zuvor nur angegeben, einen "Planer" der Islamistengruppe IS-Khorasan getötet zu haben. Nun gehe man davon aus, ein weiteres Mitglied der Terrormiliz getötet zu haben, hieß es. Es gebe nach bisherigen Erkenntnissen keine zivilen Opfer, sagte Taylor.

Unklar, ob direkt an Anschlag beteiligt

Der Angriff der US-Armee war eine Reaktion auf den verheerenden Selbstmordanschlag in Kabul, bei dem am Donnerstag vermutlich deutlich mehr als 150 Afghanen sowie 13 US-Soldaten getötet worden waren. US-Präsident Joe Biden hatte in einer ersten Stellungnahme nach dem Anschlag Vergeltung angekündigt. Die Erlaubnis an seine Kommandeure zu Angriffen auf Ziele der Islamistengruppe in Afghanistan erteilte er nach Angaben aus US-Sicherheitskreisen kurze Zeit danach.

Ob die bei dem US-Angriff Getöteten direkt an dem Anschlag in Kabul beteiligt waren, blieb offen. Laut dem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, handelte es sich bei ihnen um Drahtzieher und Förderer des afghanischen IS-Ablegers. Dies sei Grund genug gewesen, gegen sie vorzugehen.

Truppenabzug von Flughafen begonnen

Die USA gaben heute auch bekannt, den Abzug ihrer Truppen vom Flughafen in Kabul eingeleitet zu haben. Der Prozess habe begonnen, sagte Kirby. Am Flughafen warten noch immer Tausende Menschen auf eine Chance zur Ausreise. Die US-Truppen sollen Afghanistan nach dem Willen Bidens bis Dienstag verlassen. Am Freitag waren noch mehr als 5000 US-Soldatinnen und Soldaten am Flughafen Kabul stationiert gewesen.

Das Militär werde aus Sicherheitsgründen zunächst keine neuen Zahlen zur Truppenstärke nennen, erklärte Kirby. Man werde noch bis zum Abschluss des Einsatzes westliche Staatsbürger und frühere afghanische Mitarbeiter ausfliegen können.

US-Militär: Flughafen komplett unter Kontrolle

Nach eigenen Angaben hat das US-Militär den Flughafen weiterhin komplett unter Kontrolle. Man werde noch bis zum geplanten Abzug am Dienstag für Sicherheit und Betrieb des Airports verantwortlich sein, sagte Kirby. Alle Tore des Flughafens stünden weiter unter Kontrolle der US-Truppen.

Damit widersprach Kirby erneut einer Darstellung der Taliban, wonach die USA "zwei, drei" Zugänge zum Flughafen in der Nacht zu Samstag an Kräfte der Islamisten übergeben hätten. Die Taliban hätten Sicherheitskontrollen rund um den Flughafen errichtet, sagte Kirby. "Aber sie kontrollieren keine Tore, sie sind nicht am Flughafen und haben keine Rolle für die Sicherheit."

Weitere Vergeltungsschläge könnten folgen

Experten gehen davon aus, dass der jetzt erfolgte Angriff gegen IS-Khorasan nicht der letzte Racheakt der US-Amerikaner gegen die Terrormiliz gewesen sein dürfte. Allerdings würde es nach Abzug der US-Truppen ungleich schwieriger, mögliche IS-Drahtzieher ausfindig zu machen, sagte der Experte für Nationale Sicherheit, Peter Bergen, auf CNN. Erst gestern hatte das US-Militär seine eigene CIA-Basis in Kabul zerstört, um zu verhindern, dass sensible Geheimdienstinformationen in die Hände der Taliban fallen.

Die CIA hatte eine ziemlich große Präsenz in Afghanistan und ist jetzt komplett verschwunden. Die nächste US-Militärbasis ist in Doha, das ist 1000 Meilen entfernt. Das heißt die USA können nicht länger beobachten, was in Afghanistan vor sich geht. Diese Fähigkeit wird mit jedem Tag kleiner.

Mit Informationen von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. August 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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krittkritt 29.08.2021 • 00:00 Uhr

Wer hat die ausländischen Dschihaddisten geholt?

@21:48 von th711 Das waren die USA - vor vielen Jahren mit viel Geld. Präsidentenberater und strategischer Kopf Brzezinskis diesbezügliche Ausführungen kann man noch nachlesen.