Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik via AP veröffentlichte Bild zeigt Wladimir Putin, Präsident von Russland, als er spricht während der Feierlichkeiten zur Annexion der ukrainischen Regionen in Russland auf dem Roten Platz, mit dem Spasskaja-Turm auf der rechten Seite.  | dpa

Moskau feiert Annexionsverträge "Sie werden für immer unsere Bürger sein"

Stand: 01.10.2022 03:19 Uhr

Mit einem großen Konzert zelebrierte der Kreml auf dem Roten Platz den Anschluss der vier ukrainischen Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Dies sei ein "unumkehrbarer Schritt", ließ Präsident Putin wissen.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Der Rote Platz am Abend - ein einziges Fahnenmeer. Auf der Bühne geben sie alles. Musiker, bekannte Moderatoren und Armeeangehörige bejubeln die kurz zuvor im Kreml besiegelte Annexion der vier ukrainischen Gebiete.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Sie heißen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja willkommen. Nicht irgendwo, sondern in ihrer angestammten Heimat, wie Wladimir Putin noch einmal klarstellt:

Diese Leute haben sich die Liebe zu ihrem historischen Vaterland in ihren Herzen bewahrt. Und sie an ihre Kinder weitergegeben. Und deshalb öffnet Russland nicht nur die Türen für unsere Brüder und Schwestern. Sondern auch das Herz. Herzlich Willkommen Zuhause.

Nicht die gleiche Euphorie wie bei Krim-Annexion

Die Menge jubelt. Doch so richtig will der Funke nicht überspringen. Die Stimmung ist eine andere als vor acht Jahren, als die Krim-Annexion euphorisch gefeiert wurde. Die Teilmobilisierung treibt die Menschen um. Die Sorge, dass der Krieg, der in Russland weiterhin nur als militärische Spezialoperation bezeichnet wird, nun auch sie einholen könnte.

Durch den Anschluss, meint Ilona, verändere sich die Lage schließlich: "Wenn die Ukraine nun versucht, Territorien zurück zu bekommen, wird dies nicht mehr als Rückeroberung ihres Gebiets gewertet, sondern als Angriff auf das Territorium Russlands."

Und in diesem Fall, so hatte der russische Präsident in seiner Rede im Kreml noch einmal betont, werde es kein Pardon geben.

Wir werden unser Land mit allen Mitteln verteidigen, die wir haben.

Eine Warnung an Kiew und an den Westen, den Putin in seiner Rede scharf angriff. Die Annexion, auch das stellte er unmissverständlich klar, sei unumkehrbar. Über sie werde nicht mehr verhandelt.

Ich möchte, dass die Kiewer Führung und ihre Bosse im Westen mir zuhören, damit es sich alle merken: die Menschen, die in Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja leben, werden unsere Bürger sein. Für immer.

Leitern der annektierten Gebiete nicht zum Feiern zumute

Konterkariert wurden die siegessicheren, kämpferischen Worte Putins, die die geladenen Gäste im Kreml mit stehenden Ovationen quittierten, von den ernsten Mienen der Leiter der frisch annektierten ukrainischen Gebiete. 

Die ukrainische Armee sei dabei, die russischen Truppen in Lyman einzukesseln, gestand der Chef der Donezker Region, Denis Puschilin, am Rande des Konzerts auf dem Roten Platz öffentlich ein:

Die Situation ist kompliziert, ich möchte niemanden in die Irre führen. Die Jungs halten mit letzter Kraft aus.

Der ukrainische Präsident, Wolodymyr Selenskyj hat noch einmal bekräftigt, das gesamte von Russland besetzte Gebiet befreien zu wollen. Man werde die Annexionen niemals anerkennen. Zudem hat Kiew einen Antrag auf eine beschleunigte Mitgliedschaft in der NATO eingereicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. September 2022 um 20:00 Uhr.