Wladimir Putin | EPA

Putin-Rede im Kreml Die Guten, die Bösen und viel Pathos

Stand: 30.09.2022 20:13 Uhr

Großes Spektakel im Kreml: Der russische Präsident Putin hat den Beitritt ukrainischer Gebiete besiegeln lassen. In seiner Rede rechnete er mit den "Kolonisten" im Westen ab.

Von Annette Kammerer, ARD-Studio Moskau, zurzeit in Berlin

"Sie wollen mit ihrer Heimat zusammen sein, mit ihr siegen" - mit dieser patriotischen Kampfansage beendet Wladimir Putin seine Rede im Kreml-Palast. Es ist ein Spektakel, bei dem nicht nur der weiße, mit Säulen und Kronleuchtern geschmückte Kuppelsaal zeigen soll: Hier geht es um etwas ganz Großes.

Annette Kammerer ARD-Studio Moskau

Schweigeminute für die Gefallenen

Mehrmals während der gut 40-minütigen Rede gibt es Standing Ovations. Den als "Helden" gefallenen Soldaten der sogenannten militärischen Spezialoperation wird mit einer Schweigeminute gedacht. Und am Ende erklingt auch noch die russische Hymne.

Da haben die vier Leiter der besetzten ukrainischen Gebiete und Putin die Verträge für den Beitritt zur Russischen Föderation schon unterschrieben. Die Männer schütteln sich die Hände und legen sie dann auch noch übereinander. Um zusammen mit dem im Saal anwesenden Publikum einzustimmen in die Rufe: "Russland, Russland, Russland, Russland."

Putins böse "Kolonisten"

Wie in den meisten seiner großen Reden teilt Putin dabei auch dieses Mal wieder die Welt in Gut und Böse ein. Böse: Das sind in seiner Weltsicht die Länder des "kollektiven Westens", allen voran die USA.

Putin bezeichnet diese Länder als "Kolonisten", die andere Länder unterjochten: "Einige Länder sind damit einverstanden, andere werden gekauft, andere zerstört." Und nach der "Tragödie" des Zusammenbruchs der Sowjetunion wolle ebendieser Westen "Russland unbedingt brechen".

Keine Verhandlungen über annektierte Gebiete

Dabei wendet sich Putin auch direkt an diesen "Westen" und die Regierung in Kiew: "Ich will, dass man mich in Kiew und bei dessen Hausherrn im Westen hört". Die Menschen aus den vier nun annektierten Gebieten seien von nun an "unsere Staatsbürger", so Putin. "Für immer!"

Kiew solle "zum Verhandlungstisch zurückzukehren", erklärte Putin. Russland sei dazu bereit, werde allerdings nicht über die besetzten Gebiete verhandeln. "Denn die Entscheidung ist gefallen. Russland gibt sie nicht mehr her."

Es sei eine Entscheidung, die Kiew respektieren müsse, warnte Putin sogleich. Nur so sehe der Weg zu einer friedlichen Welt aus. Ansonsten werde Russland das eigene Territorium mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Und alles zum Schutz der eigenen Bürger tun.

Putin macht USA für Gaslecks verantwortlich

Einen ganzen Block widmete Putin den Vereinigten Staaten von Amerika. Und erklärte diese für die Gaslecks in den Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 verantwortlich. Sie hätten die "Explosionen organisiert", so Putin und damit "de facto begonnen, die gemeinsame europäische Infrastruktur zu vernichten."

Für alle sei doch offensichtlich, wem das nütze. "Und wem das nützt", erklärte der russische Staatspräsident dann unumwunden, "der hat auch das getan."

Putin und das "Selbstbestimmungsrecht"

Dass das russische Parlament dem Beitritt der vier Regionen zustimme, daran hegte Putin keinen Zweifel. Und begrüßte die Menschen dort gleich zu Anfang als russische Staatsbürger: Sie hätten ihre Entscheidung getroffen und die sei eindeutig.

Dabei verweigere sich der Westen dieses in der Charta der Vereinten Nationen niedergeschriebenes "Selbstbestimmungsrecht" anzuerkennen. Warum und wieso, das würde der Westen allerdings nicht erklären, behauptete Putin unumwunden.

Großes Fest auf dem Roten Platz

Auf dem Roten Platz im Zentrum Moskaus fand anlässlich der Kreml-Zeremonie ein Konzert mit Kundgebung statt. Mehrere Tage war dafür aufgebaut worden. Auf einem großen Quader steht: "Luhansk, Donezk, Saporischschja, Cherson - Russland."

Überraschend trat auch Putin auf. Er erklärte, ganz im Sinne seiner vorangegangenen Rede: Russland mache nicht nur die Türen seines Elternhauses auf, es öffne auch sein Herz und sage: "Willkommen zu Hause!".

Nach Bandauftritten, Reden und Hymnen-umrahmtem Festakt machte der Kreml damit noch einmal deutlich, was er schon seit dem frühen Nachmittag klarzumachen versucht: Dass dies, wie Putin selbst sagte, ein "besonderer, historischer Tag" sei.

Menschen mit Russlandfahnen | EPA

Auf dem Roten Platz findet ein großes Volksfest statt - da dürfen Russland-Fahnen nicht fehlen. Bild: EPA

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. September 2022 um 20:00 Uhr.