Thailands König Maha Vajiralongkorn bei einer Zeremonie in Bangkok | AFP

Verurteilung in Thailand Rekordstrafe wegen Majestätsbeleidigung

Stand: 19.01.2021 10:54 Uhr

In Thailand ist eine frühere Beamtin wegen Majestätsbeleidigung zu 43 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die Frau gab zu, Audioclips über die Monarchie und König Vajiralongkorn veröffentlicht zu haben.

Ein thailändisches Gericht hat eine frühere Beamtin wegen Majestätsbeleidigung zu der Rekordstrafe von 43 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Frau sei in 29 Anklagepunkten für schuldig befunden worden, gegen das Gesetz der Majestätsbeleidigung verstoßen zu haben. Sie hatte Audioclips bei Facebook und YouTube veröffentlicht, wie die Gruppe Thailändische Anwälte für Menschenrechte mitteilte.

Anchan Preelerd | NARONG SANGNAK/EPA-EFE/Shutterst

Die frühere Beamtin Anchan Preelerd muss für 43 Jahre und sechs Monate wegen Majestätsbeleidigung ins Gefängnis. Bild: NARONG SANGNAK/EPA-EFE/Shutterst

Audioclips nur geteilt, nicht kommentiert

Die Frau habe sich vor einem Strafgericht schuldig bekannt in der Hoffnung, dass das Gericht nachsichtig sein würde, weil sie die Audioclips mit angeblich kritischen Kommentaren über die Monarchie nur geteilt, aber nicht selbst kommentiert habe, sagte die frühere Beamtin örtlichen Medien.

Die Gerichtsentscheidung wurde von Aktivisten kritisiert. "Das Gerichtsurteil von heute ist schockierend und sendet eine gruselige Botschaft, dass Kritiken an der Monarchie nicht nur nicht toleriert werden, sondern auch schwer bestraft werden", sagte Sunai Phasuk von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Proteste für mehr Rechte und Kritik

Nach seiner Thronbesteigung 2016 hatte der thailändische König Maha Vajiralongkorn der Regierung mitgeteilt, dass er nicht wolle, dass das Gesetz gegen Majestätsbeleidigung angewandt werde. Angesichts der Zunahme von Protesten für mehr demokratische Rechte und der Kritik an der Monarchie hatte der thailändische Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha aber in Aussicht gestellt, dass das Gesetz angewandt werde.

Zuletzt war im Dezember ein 16-Jähriger wegen Majestätsbeleidigung festgenommen worden, weil er sich nach UN-Informationen über den eigenwilligen Modestil des Königs lustig gemacht hatte. Eine Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüro sagte, man sei sehr besorgt, weil in den Wochen zuvor mindestens 34 weitere Menschen wegen Majestätsbeleidigung festgenommen worden seien.

Scherze über den König

Der seit Jahren weitgehend in Bayern lebende König Vajiralongkorn (68) ist in der Bevölkerung bei Weitem nicht so beliebt wie sein 2016 verstorbener Vater Bhumibol Adulyadej. Seit Monaten protestiert in Thailand eine Demokratiebewegung gegen die aus einem Militärputsch hervorgegangene Regierung und die Monarchie. Bei einer Protestaktion hatten Studenten eine Modeschau inszeniert, bei der sie sich unter anderem über die Kleidung des Königs mokiert hatten.

Eine Pappfigur ist abgebildet, während pro-demokratische Demonstranten an einer Kundgebung teilnehmen | REUTERS

Bild: REUTERS