Luftaufnahme von Friedhof in Idlib | AFP

UN zu Krieg in Syrien Mehr als 300.000 getötete Zivilisten

Stand: 28.06.2022 13:13 Uhr

Laut einer UN-Studie sind während des Syrien-Kriegs mehr als 300.000 Zivilisten getötet worden. Jedes Opfer habe "tiefgreifende, andauernde Folgen für die Familie", sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.

Etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung Syriens sind seit Beginn des Bürgerkriegs ums Leben gekommen. Das teilte das UN-Menschenrechtsbüro auf Grundlage einer Schätzung für die Zeit zwischen Anfang März 2011 und Ende März 2021 mit. Die Opferzahl belaufe sich auf 306.887 Zivilisten.

Dies seien "nicht einfach abstrakte Zahlen", sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet: "Die Tötung jedes einzelnen der 306.887 Zivilistinnen und Zivilisten dürfte tiefgreifende, andauernde Folgen für die Familie und die Gemeinschaft, zu der sie gehörten, gehabt haben."

83 zivile Opfer pro Tag

Der UN-Menschenrechtsrat in Genf hatte die Berechnung in Auftrag gegeben. Statistisch kostete der Konflikt damit jeden Tag 83 an Kämpfen unbeteiligte Bürgerinnen und Bürgern das Leben.

Grundlage der Untersuchung waren detaillierte Informationen über 143.350 Todesfälle unter Zivilisten, mit Namen, Todesdatum und Ort. Bei den weiteren Fällen seien fehlende Informationen mithilfe etablierter statistischer Methoden geschätzt und ergänzt worden, sagte eine Sprecherin.

Der Tod vieler anderer Zivilisten sei durch die Zahlen nicht abgebildet, hieß es aus dem UN-Hochkommissariat. So hätten viele Menschen während des Krieges keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung gehabt, oder es fehlte an Nahrungsmittel und Trinkwasser. Betroffene seien etwa an Krankheiten oder Schwäche gestorben.

Assad schlug Proteste blutig nieder

Der Syrien-Konflikt begann 2011 mit Protesten aus der Bevölkerung gegen Präsident Baschar al-Assad, die sein Regime blutig niederschlug. Terrorgruppen und Rebellen eroberten weite Teile des Landes. Millionen Frauen, Männer und Kinder flohen. Mit Hilfe Russlands und des Irans konnte Assad seine Gegner in den meisten Gebieten zurückdrängen und besiegen.

Assads Anhänger kontrollieren mittlerweile wieder rund zwei Drittel des Landes. Viele Gebiete sind noch immer zerstört, weil das Geld für den Wiederaufbau fehlt. Zudem leidet Syrien unter einer Wirtschaftskrise.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Mai 2022 um 08:05 Uhr.