Die Flagge der UN weht vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York | AFP

Folter und Mord UN prangern Kriegsverbrechen in Syrien an

Stand: 01.03.2021 13:52 Uhr

Eine UN-Kommission spricht von einem nationalen Trauma: Zehntausende Menschen seien im Syrien-Konflikt in Gefängnissen verschwunden, gefoltert oder ermordet worden, beklagen die Experten. Alle Kriegsparteien hätten sich schuldig gemacht.

Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien vor zehn Jahren seien Zehntausende Menschen willkürlich festgenommen worden, beklagen die Vereinten Nationen (UN). Viele seien weiterhin verschwunden. Tausende seien Folter und sexueller Gewalt ausgesetzt oder in Haft gestorben, heißt es in einem Bericht der UN-Menschenrechtskommission.

Die syrische Regierung habe sich Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht. Auch Rebellen und die von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten Kriegsverbrechen begangen. Der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wirft der Bericht Völkermord vor.

"Instrument der Angst"

Das Schicksal Zehntausender Zivilisten, die von Einheiten der Regierung gewaltsam verschleppt worden seien, bleibe unklar, heißt es weiter. Von vielen sei anzunehmen, dass sie gestorben oder hingerichtet worden seien. Angehörige hätten das Recht, die Wahrheit zu erfahren, sagte der Leiter der Untersuchungskommission, Paulo Pinheiro.

"Das ist ein nationales Trauma, das dringend behandelt werden muss", sagte er. Willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen seien eine Hauptursache, aber auch ein beständiges Merkmal des Konflikts. Sie würden vor allem eingesetzt, um Angst auszulösen und Widerspruch unter der Zivilbevölkerung zu unterdrücken, schreiben die Autoren weiter. Keine Kriegspartei respektiere die Rechte inhaftierter Personen.

Gewalt gegen Demonstranten

Der Konflikt in Syrien war im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad ausgebrochen. Dessen Sicherheitskräfte gingen damals mit Gewalt gegen die Demonstrationen vor. Daraus entwickelte sich ein Bürgerkrieg. Assads Anhänger kontrollieren mittlerweile wieder rund zwei Drittel des Landes.

Befeuert wird der Konflikt auch dadurch, dass Akteure aus dem Ausland involviert sind. So wird das Regime militärisch von Russland und dem Iran unterstützt. Die Türkei ist in den Norden des Landes einmarschiert. Ankara ist vor allem die Kurden-Miliz YPG ein Dorn im Auge, die dort operiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2021 um 16:00 Uhr.