Olaf Scholz und Naftali Bennett | AFP

Scholz in Israel Antrittsbesuch im Zeichen des Krieges

Stand: 02.03.2022 14:50 Uhr

Der Krieg in der Ukraine war auch zentrales Thema beim Antrittsbesuch von Kanzler Scholz in Israel. Doch anders als Scholz tut sich Israels Premier Bennett schwer damit, klare Worte an den Kreml zu richten.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Der Tag begann für Olaf Scholz in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem - dem Ort der Erinnerung an sechs Millionen von den Nazis ermordete Juden. "Wir werden das millionenfache Leid und die Opfer niemals vergessen", schrieb der Kanzler danach ins Gästebuch der Gedenkstätte.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Wenige Stunden später erklärte er auf einer Pressekonferenz in Jerusalem: "Mein Rundgang heute Morgen hat mich tief berührt und nochmal die historische Verantwortung Deutschlands für den Staat Israel vor Augen geführt. Deutschland wird, darauf können Sie sich verlassen, auch weiterhin fest an der Seite Israels stehen."

Ein bewegender Besuch für Scholz

Israels Premierminister Naftali Bennett begleitete den Gast aus Deutschland nach Yad Vashem - und er sprach später über seine Eindrücke und darüber, dass der Scholz-Besuch in Israel wegen der Ukraine-Krise verkürzt wurde. "Obwohl der Besuch kürzer ausfallen musste, bestanden Sie darauf, sich für Yad Vashem die volle Zeit zu nehmen. Ich sah, dass der Besuch nicht nur ihren Geist bewegte, sondern auch ihr Herz."

Beide Regierungschefs verständigten sich auf eine engere Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern, auf regelmäßige Gesprächsrunden zu strategischen Themen und den Aufbau eines deutsch-israelischen Jugendwerks, der aber seit Jahren stockt. Normalerweise nimmt der israelisch-palästinensische Konflikt bei deutschen Regierungsbesuchen in Israel viel Raum ein. Er war diesmal nur ein Randthema. Die Ukraine-Krise überlagerte alles.

Olaf Scholz und Naftali Bennett | EPA

"Tief berührt" - Olaf Scholz und Naftali Bennett in der Gedenkstätte Yad Vashem. Bild: EPA

Das Wort Russland wurde vermieden

Die Diplomatie müsse dringend eine Chance erhalten, mahnten beide Regierungschefs, und Scholz erklärte: "Jeder weitere Tag, an dem dieser Krieg fortgesetzt wird, führt zu Zerstörung - nicht nur von Infrastrukturen, sondern auch von Menschenleben, von Zivilisten, von Soldatinnen und Soldaten auf beiden Seiten und das ist etwas, was wir unbedingt gemeinsam verhindern müssen."

Israels Premier Bennett bekräftigte sein Bekenntnis zu humanitärer Hilfe. Fragen danach, ob Israel sich den internationalen Sanktionen anschließen oder Waffen an die Ukraine liefern werde, wich er mehrfach aus. Das Wort Russland nahm Bennett nicht in den Mund.

Und noch ein schwieriges Thema: das Atomabkommen

Die israelische Regierung tut sich mit einer Positionierung schwer, weil sie auf den Fortgang der Kooperation mit Russland in Syrien angewiesen ist. Bennett sprach ein anderes Thema an: Die mögliche Neuauflage des Atomabkommens mit dem Iran. Die Verhandlungen darüber in Wien verfolge sein Land mit Sorge.

"Dass ein Abkommen unterzeichnet wird, das innerhalb weniger Jahre dem Iran ermöglichen wird, weit angelegte Zentrifugen aufzustellen, ist eine Möglichkeit, die wir nicht akzeptieren können", so Bennet Israel werde sich zu verteidigen wissen. "Wir erwarten auch von unseren Freunden in der Welt, die Situation einer massiven Aufstellung von Zentrifugen in zweieinhalb Jahren nicht zu akzeptieren und sich bereits jetzt auf den Tag danach vorzubereiten."

Scholz versicherte, Deutschland nehme die israelischen Sorgen sehr ernst. Ziel müsse sein, einen atomar bewaffneten Iran unbedingt zu verhindern. Beides Seiten erklärten, sich weiter eng abzustimmen. Noch in diesem Jahr soll es in Berlin deutsch-israelische Regierungskonsultationen geben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. März 2022 um 12:00 Uhr.