Vladimir Putin | EPA

Reaktion auf Bidens Vorwürfe Putin zeigt sich unbeeindruckt

Stand: 18.03.2021 16:32 Uhr

Russlands Präsident hat gelassen auf Vorwürfe des US-Präsidenten reagiert. Zu Bidens Aussage, er sei ein Mörder, sagte Putin, man solle nicht von sich auf andere schließen. Viele andere in Russland zeigten sich dagegen empört.

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat sich unbeeindruckt von der Verbalattacke von US-Präsident Joe Biden gezeigt und erklärt, er wolle die künftigen Beziehungen zu Washington allein zu Moskaus Vorteil gestalten. Nach der Biden-Äußerung, er halte Putin für einen "Mörder", sagte der Kreml-Chef in einer Fernsehansprache, man solle nicht von sich auf andere schließen.  "Wir sehen in einem anderen Menschen immer unsere eigenen Eigenschaften und denken, dass er so sei wie wir selbst", sagte Putin. "Das ist nicht nur ein kindischer Ausdruck, ein Scherz. Die Bedeutung ist tief und psychologisch." 

Vorwürfe in einem Interview

Anlass war ein Fernsehinterview von Biden. Er wurde gefragt, ob er der Ansicht sei, dass Putin ein Mörder sei, worauf er antwortete: "Das tue ich."

Putin wünschte dem 78-jährigen Biden auch "gute Gesundheit, ohne jede Ironie". Er bekräftigte, dass Moskau sich nicht von Washington einschüchtern lassen werde. "Wir werden unsere Interessen verteidigen und mit ihnen zu Bedingungen zusammenarbeiten, die für uns vorteilhaft sind."

Botschafter zu Konsultationen einberufen

Zuvor war der russische Botschafter Anatoli Antonow umgehend von Washington nach Moskau zitiert worden. Zu Konsultationen - vor allem um die Frage zu beantworten, wie eine "irreversible Verschlechterung" der Beziehungen zwischen den USA und Russland verhindert werde könne, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums.

"Rüpelhafte Aussagen"

Die Empörung in Russland ist groß. Der Schaden auch, wie Konstantin Kossatschew, Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Parlament, erklärte: "Die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden sich auf dem absoluten Tiefpunkt seit den letzten 30 Jahren. Die gestrigen rüpelhaften Aussagen von Herrn Biden im Interview erinnern an eine Situation, wo man meint, schlimmer könnte es nicht mehr kommen, doch es kam schlimmer."

Biden drohte außerdem damit, dass Putin dafür "bezahlen" werde, dass er seine Präsidentschaftskandidatur 2020 zu untergraben versucht habe.

Peskow weist alle Vorwürfe zurück

Diese Vorwürfe seien völlig gegenstandslos und unbegründet, so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Diese Linie schadet den ohnehin kranken russisch-amerikanischen Beziehungen", sagte Peskow. Und "eine solche Linie hat auch nichts mit dem politischen Willen zur Normalisierung der Beziehungen zu tun. Natürlich sind wir gezwungen , alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Folgen von Sanktionen gegen uns einzudämmen und die Interessen unseres Landes maximal zu verteidigen."

 Lagebesprechung in Moskau

Mit Verweis auf die Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok wollen die USA bereits in dieser Woche den Export sensibler Sicherheits-Technologien nach Russland weiter einschränken. In Moskau wird derzeit die Lage analysiert und nach adäquaten Gegenmaßnahmen gesucht.

Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums, meinte: "Wir wollen die bilateralen Beziehungen zusammenfassen und wir müssen verstehen, wie sich diese Beziehungen weiterentwickeln können, nach all dem, was passiert ist (…) . Die Gespräche und Beratungen werden nicht nur im Außenministerium stattfinden, sondern auch in anderen Behörden, und es wird so lange dauern, bis wir fertig sind (...) ."

Doch egal, wie lange es dauert: All dies wird nicht folgenlos bleiben.

Mit Informationen von Karla Engelhard, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. März 2021 um 06:12 Uhr.