Umsiedlung einer Gruppe von Rohingya-Flüchtlingen | Bildquelle: AP

Minderheit in Bangladesch Rohingya auf entlegene Insel umgesiedelt

Stand: 29.12.2020 12:14 Uhr

Erneut hat die Regierung in Bangladesch rund 1800 Rohingya-Flüchtlinge in ein Lager auf eine abgelegene überschwemmungsgefährdete Insel gebracht. Menschenrechtler verurteilen das umstrittene Umsiedlungsprogramm scharf.

Die Regierung in Bangladesch hat weitere Rohingya-Flüchtlinge aus einem überfüllten Flüchtlingscamp auf eine überschwemmungsgefährdete Insel gebracht. Fünf Marineschiffe transportierten 1804 Angehörige der muslimischen Minderheit im Zuge eines Umsiedlungsprogramms aus der Hafenstadt Chittagong zur Insel Bhasan Char, die drei Stunden Fahrt entfernt liegt, wie ein Regierungsbeamter mitteilte.

Zuvor wurden die Flüchtlinge am Montag mit Bussen aus ihren Lagern im Bezirk Cox's Bazar geholt und verbrachten die Nacht in einem behelfsmäßigen Camp, wie die Nachrichtenagentur AP von einem Regierungsvertreter erfuhr. Bereits Anfang Dezember waren etwa 1600 Rohingya-Flüchtlinge unter der Kritik von Menschenrechtsaktivisten aus Cox's Bazar auf die 35 Kilometer vom Festland entfernte Insel gebracht worden.

In Bangladesch leben mehr als eine Million Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya in Camps. Die meisten flohen 2017 vor Militärgewalt in dem vorwiegend buddhistischen Nachbarland Myanmar. Viele Rohingya verloren durch ein 1983 erlassenes Gesetz die Staatsbürgerschaft.

Eine Gruppe von Rohingya-Flüchtlingen befindet sich auf einem Schiff | Bildquelle: AFP
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Fünf Marineschiffe transportierten 1804 Angehörige der muslimischen Minderheit im Zuge eines Umsiedlungsprogramms aus der Hafenstadt Chittagong zur Insel Bhasan Char.

Regierung will 100.000 Rohingya umsiedeln

Die Rohingya werden auf der abgelegenen Insel in neugebauten Dörfern untergebracht, sagte Abdullah Al Mamun, der Leiter des umstrittenen Umsiedlungsprogramms. Insgesamt will die Regierung auf Bhasan Char 100.000 Rohingya ansiedeln. Dies sei notwendig, um die Flüchtlingslager auf dem Festland zu entlasten, heißt es.

Laut Außenminister Abul Kalam Abdul Momen gehen die Flüchtlinge freiwillig in die dort errichteten "schönen Resorts". Demnach hat die Regierung fast 350 Millionen Dollar investiert und Häuser, Krankenhäuser, Dämme, Moscheen und Notunterkünfte als Schutz vor Zyklonen gebaut. Denn die erst vor rund 20 Jahren aufgetauchte Insel ist nach Angaben von Hilfsorganisationen während der Monsun-Saison heftigen Stürmen und Überflutungen ausgesetzt.

Menschenrechtsaktivisten und Hilfsorganisationen kritisieren das Umsiedlungsprogramm scharf. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Verfolgung der Rohingya als anhaltenden Völkermord. Das Militär von Myanmar und die Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi werden wegen der Verfolgung international kritisiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2020 um 13:00 Uhr.

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