Ferdinand Marcos junior, genannt Bongbong, und Sara Duterte schwenken Nationalflaggen auf einer Bühne. | AP

Wahlkampf auf den Philippinen Das harte Doppel

Stand: 08.02.2022 18:48 Uhr

Auf den Philippinen tobt der Wahlkampf um Präsident Dutertes Nachfolge. Weit vorne im Rennen: eine Doppelspitze aus dessen Tochter Sara und einem Kandidaten, der ebenfalls durch seinen Vater vorbelastet ist.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

In Zeiten der Pandemie ist die Schlacht um die Wählergunst in den Philippinen ins Netz gewandert. Einer der Kandidaten für die Präsidentschaft ist dort besonders aktiv: Ferdinand Marcos junior, genannt Bongbong, Sohn des Diktators Ferdinand senior. In seinem "BBM Vlog" - kurz für: Bongbong Marcos Videoblog" - präsentiert er sich schon lange sehr offensiv der Öffentlichkeit; und auch die Frau an seiner Seite: Sara Duterte-Carpio, Tochter des jetzigen Präsidenten.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Marcos tritt mit ihr im sogenannten Uni-Team an: Er will Präsident werden, sie Vizepräsidentin. Beide Ämter werden in separaten Wahlen besetzt. Duterte und Marcos beantworten in einer Vlog-Episode Fragen aus dem Netz - nach ihrem liebsten Zitat zum Beispiel. "Keine Zeit auszuruhen", sagt Duterte.

Die 45-Jährige ist Bürgermeisterin von Davao, der Heimatstadt auch ihres Vaters. Rodrigo Duterte hätte sie lieber als Kandidatin für seine Nachfolge gesehen, nicht als Vize. Doch sie hat sich für das harte Doppel werben lassen, das Uniteam mit Marcos. Und in der Einheit - so das Lieblingszitat von Marcos - liege schließlich die Kraft.

"Stehen vor einem geteilten Land"

Facebook-User feiern das Team: Es solle den Philippinen wieder Anstand, Klasse und globale Anerkennung verleihen, schreiben sie in den Kommentaren.

"Wir stehen vor einem sehr, sehr geteilten Land", sagt dagegen Chay Hofilena, eine der Mitgründerinnen des unabhängigen und sehr kritischen Nachrichtenportals Rappler. Ihre Co-Gründerin Maria Ressa bekam im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis. "Wir sehen einen schmerzhaften und fortschreitenden Niedergang der Demokratie und hoffen, dass wir das angehen können, bevor es zu spät ist."

Nach sechs Jahren Duterte hätten sie einem Regierungswechsel eigentlich optimistisch entgegengeblickt. Aber mit Bongbong Marcos als führendem Präsidentschaftskandidaten mit mehr als 50 Prozent in den Umfragen glaubt Hofilena nicht an Besserung: "Wir sind alle schockiert - wir haben die Marcos-Diktatur erlebt, die Zustände unter dem Kriegsrecht. Alle wissen Bescheid über die schrecklichen Erfahrungen der Philippinen unter Marcos".

Gezielte Desinformation in Kampagnen?

Mit Korruption, politischen Morden, Folter und weiteren Menschenrechtsverletzungen hatte Ferdinand Marcos senior bis zu seinem Sturz 1986 das Land geführt. Deshalb, sagt Hofilena, sei es schwer zu begreifen, wieso sein Sohn die Umfragen anführt.

Jahrelang hat Marcos mit seinem Social-Media-Team anscheinend darauf hingearbeitet, das Image seines Vaters, seiner Herrschaftszeit und des ganzen Marcos-Clans aufzupolieren. Regelrechte Geschichtsklitterung betreibe er mit "gezielter Fehlinformation", meint die Rappler-Journalistin: "Seine Truppe hat Troll-Farmen aufgebaut, sie haben die sozialen Medien infiltriert und Facebook und Youtube und schließlich Tiktok mit falschen Tatsachen gefüttert. Die große Frage ist: Wird Bongbong Marcos disqualifiziert?"

Gegen den Kandidaten laufen noch mehrere Petitionen, unter anderem wegen nicht gezahlter Steuern; die Verfahren können sich laut Hofilena noch Monate hinziehen.

Marcos' Konkurrentin Leni Robredo hatte ihn vor fünf Jahren im Rennen um die Vizepräsidentschaft geschlagen. Sie sagte, sie möchte ihn nicht disqualifiziert sehen, sondern ihn besiegen. Dann sei die Sache ein für alle Mal klar. Sie setzte sich in ihrer Laufbahn bisher für Bildung von Frauen und gegen Armut ein - und sie trete auch an, um eine Marcos-Präsidentschaft zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23.November 2021 um 18:00 Uhr.