Ein Dorfbewohner benutzt Betten um Gegenstände, die er aus seinem Haus in Jaffarabad retten konnte, Pakistan | dpa

Pakistan Warnung vor weiteren Überschwemmungen

Stand: 27.08.2022 16:50 Uhr

Fast tausend Tote, dazu Millionen zerstörte Häuser, kaputte Straßen und Brücken: Die Monsunzeit fällt in Pakistan in diesem Jahr besonders heftig aus. Ein Ende ist noch nicht in Sicht, die Regierung rief bereits den Notstand aus.

Die Behörden in Pakistan haben wegen der Gefahr weiterer Überschwemmungen die Evakuierung Tausender Menschen angeordnet. Anfangs hätten sich einige Menschen geweigert, ihre Häuser zu verlassen, sagte Bilal Faisi vom Rettungsdienst Rescue 1122 der Nachrichtenagentur AFP. Als der Wasserstand gestiegen sei, hätten sie jedoch eingewilligt.

Im südwestlichen Belutschistan sagte Asadullah Nasir, ein Sprecher der örtlichen Katastrophenschutzbehörde, dass alle 34 Distrikte der verarmten Provinz aufgrund der starken Regenfälle und der anschließenden Überschwemmungen schwer betroffen seien. Er sagte, Straßennetze seien zerstört und Brücken weggespült worden. Hilfe sei nur mit Hubschraubern möglich, die wegen des schlechten Wetters oft nicht einsatzfähig seien.

Fast 1000 Tote

Seit Jahresbeginn sind in Pakistan bereits fast 1000 Menschen durch die Monsunregen und ihre Folgen gestorben. "Das Haus, das wir in jahrelanger harter Arbeit gebaut haben, begann vor unseren Augen zu versinken", sagte der 23-jährige Dschunaid Chan, der zwei Fischfarmen in Charsadda in der nördlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa besitzt. In der Region traten viele Flüsse über die Ufer und zerstörten zahlreiche Gebäude.

Der Monsunregen sollte diese Woche anhalten, hauptsächlich im Süden und Südwesten.

Menschen tragen in Jaffarabad Habseligkeiten, die sie aus ihren von der Flut betroffenen Häusern gerettet haben, Pakistan. | dpa

Von den Überschwemmungen in Pakistan sind den Behörden zufolge mehr als 33 Millionen Menschen betroffen. Bild: dpa

Straßennetze beschädigt, Trinkwasser verschmutzt

Den pakistanischen Behörden zufolge sind von den diesjährigen Überschwemmungen mehr als 33 Millionen Menschen - und damit jeder siebte Pakistaner - betroffen. Fast eine Millionen Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. Pakistans Regierung rief wegen der Katastrophe den Notstand aus.

Starke Regenfälle und nachfolgende Sturzfluten haben Brücken und Straßennetze in ganz Pakistan beschädigt. Die Versorgung der Märkte mit Obst und Gemüse ist unterbrochen - in der Folge stiegen die Preise. Das Trinkwasser ist verschmutzt. Nahrung wird knapp und auch der Strom ist vielerorts ausgefallen.

Das pakistanische Militär unterstützt die Flutopfer in den betroffenen Regionen. Doch wegen der überschwemmten Straßen ist schnelle Hilfe schwierig. Gestern hatte Premierminister Shehbaz Sharif bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern um internationale Unterstützung gebeten.

Diesjährige Überschwemmungen verheerend

Die Monsunzeit in Pakistan dauert gewöhnlich von Juni bis September. Für die Landwirtschaft und die Wasservorräte spielt der Monsun eine wichtige Rolle, doch immer wieder sorgt er auch für verheerende Überschwemmungen. Nach Behördenangaben ist das Ausmaß der diesjährigen Überschwemmungen vergleichbar mit jenen im Jahr 2010. Damals war rund ein Fünftel des Landes überflutet worden. Mehr als 2000 Menschen kamen ums Leben, etwa 20 Millionen wurden obdachlos.

Mit Informationen von Charlotte Horn, ARD-Studio Neu Delhi

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2022 um 18:00 Uhr.