Frauen gehen in Lahore (Pakistan) über eine Straße. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Online-Dating Pakistanerinnen kämpfen gegen Rachepornos

Stand: 20.08.2022 16:30 Uhr

Auch in Pakistan flirten und daten Menschen online. Behörden registrieren einen Anstieg von Racheporno-Delikten: Intime Bilder von Frauen landen ohne deren Einverständnis im Netz - mit katastrophalen Folgen für sie.

Von Sebastian Manz, ARD-Studio Südasien

Ein verzweifelter Anruf bei einer Seelsorgerin: "Ma’am, bitte helfen Sie mir. Mein Vater hat mir verboten, das Haus zu verlassen. Wie kann ich jetzt ins Büro? Wie kann ich mich jetzt Anzeige erstatten? Mein Vater holt mich gleich ab und will mir mein Telefon wegnehmen, einfach alles wegnehmen."

Das Fiasko, das diese pakistanische Frau schildert, hatte sich online angebahnt: Ihr Ex-Freund hatte intime Bilder von ihr im Internet veröffentlicht, vermutlich um sie zu demütigen. Jemand hatte die Bilder an ihren Vater weitergeleitet. Der wollte der Tochter daraufhin nicht nur das Telefon wegnehmen, sondern ihr auch das Universitätsstudium verbieten.

In pakistanischen Medien ist es vieldiskutiertes Thema: Dating per App ist auch in Pakistan längst etabliert. Doch seit junge Menschen hierzulande verstärkt online Intimitäten austauschen, hat auch ein anderes Phänomen zugenommen: Immer häufiger kommt es vor, dass vor allem Männer ohne Einwilligung intime Aufnahmen von Frauen im Netz verbreiten. Revenge Porn, Rache-Porno, ist die geläufige Bezeichnung für diese Übergriffe.   

Folgen von der Ächtung bis hin zum Tod

Die Motive der Täter sind meist ähnlich, sagt Hyra Basit von der pakistanischen Nichtregierungsorganisation "Digital Rights Foundation":

Oft wollen Täter die Frau unter Druck setzen, damit sie in der Beziehung bleibt, sie zwingen, weitere sexuelle Handlungen in einem Videochat vorzunehmen, um Geld zu erhalten oder manchmal sogar um Informationen über andere Frauen zu erhalten. Es geht darum, Macht und Kontrolle über das Opfer zu behalten und sie zu diffamieren und öffentlich zu demütigen.

"Digital Rights Foundation" berät rund um die Uhr Opfer von sogenanntem Racheporno. Dazu gehört neben psychologischer Hilfe auch Rechtsberatung. Mit den Onlineplattformen, auf denen die Bilder gepostet werden, ist die Organisation mittlerweile eng verdrahtet, um unerwünschte Inhalte möglichst schnell löschen zu können.

Denn die Folgen dieser Bloßstellung seien für die Opfer häufig katastrophal in der konservativen pakistanischen Gesellschaft, schildert Basit: "Es kann zu körperlichen und psychischen Misshandlungen durch die Familie kommen, da sie dem Opfer die Schuld geben. Ihr 'Ruf', die 'Ehre' der Familie steht auf dem Spiel - und in bestimmten Fällen besteht die Gefahr, dass die Frau Opfer eines Ehrenmordes wird oder Suizid begeht."

Mehr Frauen zeigen Täter an

Seit 2016 kümmert sich eine spezialisierte Abteilung der Bundespolizei Pakistans um die angezeigten Fälle von Rachepornos. Die Behörde kann Erfolge vorweisen. Täter werden ermittelt und verhaftet.

Für ideal aufgestellt hält Aktivistin Basit die Polizei trotzdem nicht: "Sie sind nicht perfekt. Sie sind sowohl personell unterbesetzt als auch schlecht finanziert. Es gibt nicht annähernd so viele Ressourcen, wie für die Bewältigung der vielen Fälle erforderlich wären." Zudem gebe es immer wieder Fälle, bei denen die Aktivistin und die Betroffenen sich ein sensibleres Vorgehen der Behörde wünschen würden, was die Bedürfnisse von Frauen angeht.

Dennoch gebe es in der pakistanischen Gesellschaft immer mehr Frauen, die bereit seien, ihre Rechte zu erstreiten, sagen die Aktivistinnen der "Digital Rights Foundation". Und so sei die steigende Zahl von angezeigten Racheporno-Delikten auch ein Zeichen dafür, dass immer mehr Frauen den Mut fänden, sich zu wehren.

 

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 10. Juli 2022 um 14:10 Uhr.