Eine Figur mit den Olympischen Ringen steht im Shougang-Park in Peking und ist mit Schnee bedeckt.  | dpa

Winterspiele 2022 Die olympische Blase von Peking

Stand: 10.12.2021 13:25 Uhr

Je näher die Olympischen Winterspiele in Peking rücken, desto größer wird die Kritik. Dessen ungeachtet laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren - etwa streng abgeschirmte Testläufe.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Vom für die Presse reservierten Hotel fährt ein Elektrobus-Shuttle zur Olympischen Sprungschanze - im Schneckentempo. 25 Minuten dauert die Fahrt. Links und rechts der Strecke sieht man die neuen Quartiere für Sportlerinnen und Sportler, zum Teil sind noch Arbeiter zu Gange. Es geht auch vorbei am nagelneuen Bahnhof, an jeder Kreuzung stehen Polizisten.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Strikte Null-Covid-Politik

An der Schanze angekommen, werden die Journalistinnen und Journalisten erst einmal von den vielen Helferinnen und Helfern ins Medienzentrum geleitet. Anhand einer Karte wird erklärt, welche Bereiche man betreten darf und welche nicht. Denn auf dem Gelände der Sprungschanze befinden sich auch Trainer und Athletinnen aus dem Ausland - da diese ohne Quarantäne eingereist sind, darf man ihnen auf keinen Fall begegnen. Hintergrund ist Chinas strikte Null-Covid-Politik. Wer sich nicht daran hält, dem wird mit behördlicher Zwangsquarantäne gedroht.

Ein Ufo und dröhnende Musik

Die futuristisch anmutende Sprungschanze erinnert an ein Ufo, mitten in den Berg gebaut. Bei dröhnender Musik und Minus zehn Grad messen sich Skispringer aus aller Welt. Mit roten Absperrbändern sind die Bereiche abgegrenzt, die Medienleute nicht betreten dürfen. Ganz klar ist das allerdings nicht immer. Wer versehentlich falsch abbiegt, befindet sich plötzlich innerhalb der sogenannten Blase und wird von den Aufpassern zurückgescheucht. Auch das Geländer anzufassen ist verboten - wegen Corona.

Freie Fahrt in der olympischen Blase

Eine Pressekonferenz in Peking vergangene Woche: Der Sprecher der Staatsführung, Zhao Weidong, erklärt, dass sich Medienleute, die zu den Olympischen Spielen anreisen, frei zwischen den drei Hauptstandorten bewegen können. Das war bislang nicht klar. Eine der Olympia-Stätten befindet sich direkt im Zentrum der chinesischen Hauptstadt, die anderen beiden mehrere Autostunden außerhalb - je nach Verkehr.

An allen drei Olympiastandorten gibt es Olympische Dörfer, die Standorte sind mit neu gebauten Hochgeschwindigkeitszügen verbunden. Die olympische Blase verlassen dürfen die Sportlerinnen und Journalisten nicht. Sprecher Zhao Weidong betont:

Wer sich während der Spiele legal in der Blase befindet, der wird auch nicht in seinen Aktivitäten eingeschränkt. In dem großen abgeriegelten Bereich kann man sich zwischen den einzelnen Stationen, den Austragungsorten und den drei Wettbewerbsstandorten frei bewegen, wenn man die zur Verfügung gestellten Transportmittel nutzt.

Nach Beginn der Olympischen Spiele Anfang Februar muss jeder in der Blase täglich einen PCR-Test machen. Wer positiv auf Corona getestet wird, soll isoliert werden. Dafür wurden extra Krankenhäuser und Corona-Unterkünfte gebaut.

Schriftliche Fragen statt Interviews

Während der Testläufe kommen aus den Lautsprechern regelmäßig Anweisungen und Warnungen. Die Journalistinnen und Journalisten sollen den Sportlerinnen und Sportlern keine Fragen direkt stellen. Jegliche Begegnungen zwischen Leuten in der Blase und Menschen, die in China leben, sollen vermieden werden, um Infektionen im Land zu verhindern.

Was sich die Organisatoren ausgedacht haben: Die Medienleute sollen ihre Fragen schriftlich einreichen, dann wird gesammelt und ausgewählt - Reporter in der Blase stellen die Fragen. Die Videos kann man dann online abrufen. Internationale Journalistenvertreter kritisieren das, denn die chinesischen Organisatoren haben so die Möglichkeit, kritische Fragen einfach auszusortieren. Allerdings ist bei vielen Interviews die Musik im Hintergrund ohnehin so laut, dass man kaum etwas versteht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2021 um 12:45 Uhr.