Testabschuss einer Hyperschallrakete durch die Koreanische Akademie für Verteidigungswissenschaften. (Dieses Archivbild wurde von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellt. Sein Inhalt kann nicht eindeutig verifiziert werden.) | dpa

Angaben Südkoreas Nordkorea testet offenbar erneut Rakete

Stand: 11.01.2022 03:10 Uhr

Die USA und andere Länder im UN-Sicherheitsrat haben Nordkoreas Raketentest von vergangener Woche kritisiert. Pjöngjang antwortet offenbar mit einem neuen Waffentest.

Die selbsterklärte Atommacht Nordkorea hat nach Angaben seiner Nachbarländer Südkorea und Japan offenbar erneut eine potenziell atomwaffenfähige Rakete getestet. Nordkorea habe am Morgen (Ortszeit) im Landesinneren eine Rakete in Richtung offenes Meer abgefeuert, teilte der Generalstab des südkoreanischen Militärs mit. Dabei habe es sich möglicherweise um eine ballistische Rakete gehandelt. Wie weit der Flugkörper flog, war zunächst unklar.

UN-Resolutionen untersagen Nordkorea Tests mit ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen können. Auch Japan bestätigte den neuen Waffentest durch Nordkorea. Regierungsbeamte hätten von einer mutmaßlichen ballistischen Rakete gesprochen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Erst letzte Woche Raketentest Nordkoreas

Die Rakete stürzte demnach außerhalb Japans "exklusiver Wirtschaftszone" ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer). Nach Angaben des südkoreanischen Militärs sollte der jüngste Raketentest zusammen mit Behörden der USA noch genauer analysiert werden.

Das politisch weitgehend isolierte Nordkorea hatte bereits in der vergangenen Wochen einen erneuten Raketentest unternommen und später von einem erfolgreichen zweiten Test einer Hyperschall-Rakete innerhalb von vier Monaten gesprochen. Südkoreas Verteidigungsministerium bezweifelte jedoch die Angaben Nordkoreas, wonach die Rakete 700 Kilometer weit flog. Im Vergleich zum Raketenstart im September stelle der Test keinen technologischen Fortschritt dar.

UN-Sicherheitsrat zeigt sich besorgt

Mit Hyperschall werden Geschwindigkeiten oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit bezeichnet, also rund 6180 Kilometer pro Stunde. Auch Hyperschall-Raketen können potenziell eine Nuklearwaffe befördern. Die USA und andere Länder des UN-Sicherheitsrats sahen den Raketentest Nordkoreas von vergangener Woche als Gefahr für die regionale Stabilität.

Die Schritte der Autokratie in Pjöngjang "erhöhen das Risiko von Fehleinschätzungen und Eskalationen", hieß es am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Irlands und Albaniens zusammen mit Japan.

Pjöngjang treibt seit Jahren die Entwicklung von Raketen voran, die nicht nur Südkorea und Japan treffen, sondern auch Atomsprengköpfe bis in die USA tragen können. Das Land hat sich selbst zu einer Atommacht erklärt. Sein Status wird aber vor dem Hintergrund der Verhandlungen über sein umstrittenes Atomwaffenprogramm eher offen gehalten. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea kommen jedoch seit fast drei Jahren nicht mehr voran.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 11. Januar 2022 um 08:00 Uhr sowie NDR-Info um 12.40 Uhr.