Demonstrantin in Mandalay | EPA

100 Tage nach Militärputsch UN fordern mehr Einsatz für Myanmar

Stand: 11.05.2021 17:27 Uhr

Das UN-Menschenrechtsbüro mahnt die internationale Gemeinschaft, mehr Druck auf die Mililtärführung in Myanmar auszuüben. Die Gewalt gehe unvermindert weiter. Mindestens 782 Menschen seien seit dem Putsch getötet worden.

Genau 100 Tage nach dem Militärputsch in Myanmar sieht das UN-Menschenrechtsbüro kein Ende der brutalen Unterdrückung. Die Menschenrechte in dem südostasiatischen Staat würden von Militär und Sicherheitskräften mit Füßen getreten, sagte ein Sprecher des Büros in Genf.

Gleichzeitig lehne sich die Opposition unentwegt gegen die Militärjunta auf. Das Menschenrechtsbüro rief die internationale Gemeinschaft auf, sich stärker zu engagieren.

Mindestens 782 Menschen getötet

Seit dem Staatsstreich am 1. Februar hätten die Sicherheitskräfte mindestens 782 Menschen getötet und mehr als 3740 Menschen festgesetzt. Der Verbleib von Hunderten Festgenommenen sei unbekannt.

Die Junta habe 25 Todesurteile verhängen lassen, 20 davon in Abwesenheit der Angeklagten. Der UN-Sprecher berichtete, dass die meisten Inhaftierten noch nicht vor ein Gericht gestellt worden seien.

Zahlreiche Professoren von Posten "entfernt"

Zudem übten die Generäle weiter enormen Druck auf den Beamtenapparat aus. Mehr als 3000 Beamte seien von ihren Posten entfernt worden, darunter 990 Professoren und Mitarbeiter von Universitäten.

Die Junta ignoriere auch einen Plan der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean, dem sie selbst zugestimmt habe.

Kernpunkte des Asean-Myanmar-Gipfels am 24. April in Jakarta waren die Forderungen nach einem "sofortigen Ende der Gewalt", einem "Dialog zwischen allen betroffenen Parteien" sowie die Entsendung eines Asean-Sonderbotschafters als Vermittler in Myanmar.

Wenige Tage nach dem Gipfel erklärte Junta-Chef Min Aung Hlaing, er werde einen Sonderbotschafter erst ins Land lassen, wenn sich "die Lage stabilisiert" habe. Auch nach dem Gipfel ging die Militär- und Polizeigewalt gegen die Proteste gegen die Diktatur mit unverminderter Gewalt weiter.

UN sichern Volk Unterstützung zu

Die Vereinten Nationen versicherten dem Volk von Myanmar ihrer "unverbrüchliche Unterstützung". Generalsekretär Antonio Guterres unterstütze die Menschen in ihrem Bestreben nach "Demokratie, Frieden, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit", twitterte die UN-Vertretung in Yangon.

Warnung vor Bürgerkrieg

Das Militär in dem südostasiatischen Land hatte die gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. Soldaten und Polizisten schlagen seitdem Proteste der Bevölkerung brutal nieder.

Die UN und Menschenrechtsorganisationen warnen vor einem Bürgerkrieg in Myanmar, der Ausmaße wie in Syrien erreichen könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2021 um 05:05 Uhr.