Myanmars Militär-Chef Min Aung Hlaing | EPA

Bericht von Human Rights Watch Myanmars Generäle blockieren Hilfen

Stand: 13.12.2021 13:44 Uhr

Seit dem Putsch herrscht in Myanmar Gewalt. Nun blockiert die Militärregierung laut Human Rights Watch auch Hilfslieferungen. Die Menschenrechtsorganisation spricht von einer "Form von Bestrafung".

Die Militärjunta in Myanmar blockiert nach Angaben von Human Rights Watch dringend benötigte Hilfslieferungen für Millionen Menschen in allen Landesteilen. Wie die Menschenrechtsorganisation erklärte, verweigerten die Generäle der Bevölkerung "herzlos lebensrettende Hilfe, anscheinend als eine Form der Bestrafung". Damit habe die Junta eine "landesweite humanitäre Katastrophe" ausgelöst.

Berichte von Blockaden bis hin zu Kriegsverbrechen

Human Rights Watch zufolge hat das Militär in den vergangenen Monaten neue Reisebeschränkungen für humanitäre Helfer verhängt. Auch Zufahrtsstraßen und Hilfskonvois seien blockiert, Vorräte zerstört, Helfer angegriffen und Telekommunikationsdienste abgeschaltet worden. Zudem spricht die Menschenrechtsorganisation von Kriegsverbrechen in Gebieten ethnischer Minderheiten, wo sich die Kämpfe gegen das Militärregime ausgeweitet haben.

Mehr als 284.000 Menschen seien vertrieben worden, etwa 22.000 davon nach Indien und Thailand geflohen. Damit hätten die Militärs "die selbstgemachte humanitäre Katastrophe verschärft".

Forderung nach politischem Druck und mehr Hilfen

Human Rights Watch forderte die Vereinten Nationen, die Staatengemeinschaft ASEAN und Regierungen in der Region auf, Druck auf die Generäle auszuüben, damit die Hilfen die Bedürftigen erreichen könnten. Zugleich kritisierte die Organisation die internationalen Reaktionen als unzureichend. So hätten die UN und weitere Hilfsorganisationen nur 18 Prozent der 109 Millionen US-Dollar erhalten, die für die humanitäre Notlage nach dem Putsch angefordert wurden.

Im früheren Birma herrschen Chaos und Gewalt, seit das Militär vor rund zehn Monaten die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtete. Sie wurde in einem international umstrittenen Prozess zu einer Haftstrafe verurteilt.

Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen

Laut der Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP wurden seit dem Putsch mindestens 1329 Menschen bei Protesten getötet und etwa 10.900 Personen verhaftet.

Nach UN-Schätzungen wird sich die Zahl der Menschen in Myanmar, die Hilfe benötigen, von einer Million vor dem Putsch auf 14,4 Millionen im kommenden Jahr erhöhen, ein Drittel davon Kinder. Etwa 25 Millionen Menschen könnten dann unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben - das entspricht fast der Hälfte der Bevölkerung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2021 um 10:00 Uhr.