Arbeiter auf einer Baustelle in Lusail-City in Doha/Katar | dpa

Migranten in Katar Amnesty fordert Aufklärung zum Tod von Arbeitern

Stand: 26.08.2021 15:07 Uhr

In einem neuen Bericht erhebt Amnesty schwere Vorwürfe gegen Katar, den Gastgeber der Fußball-WM: Der Tod Tausender Menschen sei nicht untersucht worden, obwohl es Hinweise auf einen Zusammenhang mit gefährlichen Arbeitsbedingungen gebe.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert von WM-Gastgeber Katar die Aufklärung über den Tod Tausender Arbeitsmigranten in dem Land. Die Behörden des Golfstaates hätten es versäumt, zahlreiche Fälle der vergangenen zehn Jahre aufzuklären, heißt es in einem Bericht der Organisation. Es gebe Hinweise für einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und den gefährlichen Arbeitsbedingungen im Emirat. 

"Wenn relativ junge und gesunde Männer nach vielen Arbeitsstunden in extremer Hitze plötzlich sterben, wirft dies ernste Fragen über die Arbeitsbedingungen in Katar auf", sagte die Amnesty-Expertin Katja Müller-Fahlbusch laut einer Mitteilung. Die Behörden hätten Totenscheine für ausländische Arbeiter ausgestellt, ohne deren Todesursachen angemessen zu untersuchen. Stattdessen seien Tode vage auf "natürliche Ursachen" oder "Herzfehler" zurückgeführt worden. Nach Angaben mehrerer Familienmitglieder sollen ihre verstorbenen Angehörigen in Katar nicht obduziert worden sein.

Für den Bericht befragte Amnesty nach eigenen Angaben führende Mediziner, prüfte Regierungsangaben zu Tausenden Todesfällen, analysierte Totenscheine und befragte Hinterbliebene. "Wenn Arbeiter gefährlichen Bedingungen wie extremer Hitze ausgesetzt waren, muss Katar unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um den Schutz von aktuell Beschäftigten zu verbessern", betonte Müller-Fahlbusch.

Forderungen nach WM-Boykott

In Katar findet 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Wegen der Vorwürfe, dass dort ausländische Arbeiter ausgebeutet werden, stehen Forderungen nach einem WM-Boykott im Raum. Katars Regierung hat mehrere Reformen eingeleitet, um die Lage ausländischer Arbeiter zu verbessern. Migranten dürfen etwa inzwischen ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers ausreisen oder den Job wechseln. Amnesty kritisiert die Umsetzung der Reformen jedoch als unzureichend, Ausbeutung sei weiterhin an der Tagesordnung.

Dem britischen "Guardian" zufolge sind seit der WM-Vergabe 2010 in Katar mehr als 6500 Arbeiter aus Südostasien gestorben. Katars Regierung argumentiert, die Sterberate liege angesichts von mehr als 1,4 Millionen Menschen aus der Region im Land in einem zu erwartenden Bereich. Aus den Zahlen des "Guardian" geht nicht hervor, welche Tätigkeit die Verstorbenen genau ausgeübt haben.

Amnesty zufolge ist unklar, wie viele Arbeiter im Zuge der WM-Vorbereitung bislang gestorben sind. WM-Organisatoren sprechen von 37.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2021 um 22:52 Uhr.

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Moderation 26.08.2021 • 22:00 Uhr

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