Mitglieder der australischen Softball-Mannschaft für die Olympischen Spiele kommen auf dem Flughafen Narita (Japan) an. | AP

Olympische Sommerspiele Erste Athletinnen in Japan angekommen

Stand: 01.06.2021 16:00 Uhr

Knapp acht Wochen vor den Olympischen Spielen sind die ersten ausländischen Sportler in Japan eingetroffen. Zugleich beginnt der Gastgeber mit der Impfung seiner Athleten - und deren Betreuer.

Von Torben Börgers, ARD-Studio Tokio, zurzeit Hamburg

Sie müssen sich jeden Tag auf das Coronavirus testen lassen und dürfen nur zwischen Unterkunft und Trainingsgelände pendeln. Kontakt mit der örtlichen Bevölkerung ist verboten. Alle Zimmer, Ess- und Besprechungsräume befinden sich auf ein und demselben Stockwerk ihres Hotels in Ota, einer 220.000-Einwohner-Stadt rund 80 Kilometer nordwestlich von Tokio.

Torben Börgers

Was die 23 Spielerinnen der australischen Frauen-Softball-Mannschaft und ihre fünf Betreuer in den kommenden Wochen erleben, ist ein Vorgeschmack auf die ersten Olympischen Spiele unter Pandemie-Bedingungen.

Das Team traf aus Singapur kommend auf dem internationalen Flughafen Narita nahe Tokio ein. Am Samstag wollen sie mit dem Vorbereitungstraining in Tokios Nachbarpräfektur Gumma beginnen, ehe sie am 21. Juli das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber und Titelverteidiger Japan bestreiten. "Wir wissen, dass es dort ein bisschen langsam vorangehen wird", sagte Softballspielerin Jade Wall vor dem Abflug. "Aber wir wollen alles dafür tun, um uns in Japan nicht anzustecken."

Die Mannschaft sei fest entschlossen, nicht nur für sich selbst zu sorgen, sondern auch "das Richtige für die japanische Bevölkerung zu tun", ergänzte Ian Chesterman, Chef de Mission der australischen Olympiamannschaft.

Impfungen von Athleten begonnen

Die australischen Softballerinnen sind bereits durchgeimpft. Chesterman bezeichnete dies als eine "Win-Win-Situation" für alle Beteiligten: Es sei gut für die eigene Mannschaft, dass die Sportler geimpft nach Japan reisen und somit auch bei der Rückkehr kein Risiko darstellen. Für die Japaner wiederum sei es ein Vorteil, wenn die Sportler geimpft ins Land kämen.

Unterdessen hat Olympia-Gastgeber Japan wie angekündigt mit den Impfungen seiner rund 600 Sportlerinnen und Sportler sowie deren 1000 Trainer und Betreuer für die Sommerspiele in Tokio begonnen. "Dies dient nicht nur dem Schutz der japanischen und ausländischen Athleten, es wird auch dazu beitragen, das Infektionsrisiko in der japanischen Gesellschaft zu verringern", sagte Generalsekretär Tsuyoshi Fukui vom Japanischen Olympischen Komitee (JOC).

Ein Polizist gestikuliert im Gespräch mit einem Wachmann am National Training Center in Tokio. | EPA

Im National Training Center in Tokio finden die Impfungen der japanischen Athleten und Betreuer statt. Bild: EPA

Die Corona-Impfungen werden im Ajinomoto National Training Centre in Tokio durchgeführt. Der Impfstoff wird von Pfizer/BioNTech zur Verfügung gestellt - das ist Teil einer Vereinbarung zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem US-Pharmariesen. Pfizer hatte angekündigt, allen Olympia-Teilnehmern Impfdosen als Spende zur Verfügung zu stellen.

Das Angebot haben bereits mehrere Delegationen in Anspruch genommen, unter anderem Großbritannien, Südafrika und Brasilien. "Die Beschaffung der Impfstoffe und die medizinischen Vorkehrungen für dieses Impfprogramm für die Athleten und das Personal sind getrennt vom Impfprogramm für die Öffentlichkeit. Es ist unsere Priorität, dass wir die Impfung für die Öffentlichkeit nicht beeinträchtigen", sagte Fukui.

Ministerpräsident Suga unter Druck

In Japan waren bis Montag erst knapp 3,5 Prozent der rund 125 Millionen Einwohner vollständig gegen das Coronavirus geimpft - so wenige wie in keinem anderen Industrieland. Der Notstand im Großraum Tokio und neun weiteren Präfekturen wurde bis zum 20. Juni verlängert. Die Mehrheit der Japaner ist nach wie vor für eine erneute Absage der Spiele.

Der innenpolitisch unter Druck stehende japanische Ministerpräsident Yoshihide Suga wehrt sich gegen Kritik an seiner Corona- und Olympia-Politik. "Es ist meine Pflicht, das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen. Auf die Olympischen Spiele wird nicht die Priorität gelegt", bekräftigte Suga laut örtlichen Medienberichten bei einer Sitzung des Gesundheitsausschusses im Oberhaus. Die Prämisse für die Spiele sei der Schutz der Menschen, nachdem geeignete Maßnahmen gegen Infektionen bei Sportlern und Funktionären getroffen worden seien.

Der Virologe Martin Stürmer hält das Festhalten an den Olympischen Spielen in Japan für keine gute Idee. "Ich kann die Athleten sehr gut verstehen, ich kann den Zwiespalt verstehen, aber ich würde wirklich zur Verschiebung raten", sagte Stürmer im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Das weltweite Infektionsgeschehen sei "sehr unkontrollierbar", und auch die Hygienekonzepte seien nur schwer durchzusetzen. Denn die Wettkämpfe in den verschiedenen Sportarten finden mal im Freien, mal in der Halle, mal im engen Kontakt statt, wie Stürmer bemerkte: "Das ist so divers. Es wird extrem schwierig, da ein einheitliches Konzept zu machen. Ich kann mir, ehrlich gesagt, gar nicht gut vorstellen, wie das funktionieren soll."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juni 2021 um 15:35 Uhr.