Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans | dpa

Atomanlage Natans Iran beginnt Urananreicherung auf 60 Prozent

Stand: 16.04.2021 13:41 Uhr

Der Iran hat nach eigenen Angaben angefangen, Uran auf 60 Prozent anzureichern. Der Schritt sei Vergeltung für einen mutmaßlichen israelischen Sabotageakt. Teheran will aber offenbar auch den Verhandlungsdruck auf die EU erhöhen.

Der Iran hat offenbar wie angekündigt mit seiner umstrittenen Steigerung der Urananreicherung auf 60 Prozent begonnen. Der Prozess in der Atomanlage Natans sei "im Gange", zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim den Leiter der iranischen Atomenergie-Organisation, Ali Akbar Salehi. Nach seinen Angaben würden stündlich neun Gramm dieses angereicherten Urans produziert. 

Drohgebärde Richtung Israel

Der Iran hatte am Dienstag die Absicht erklärt, Uran auf 60 Prozent anzureichern. Als Grund nannte das Land Vergeltung für eine Explosion in der Atomanlage Natans am vergangenen Sonntag, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Zudem will Teheran so offenbar den Verhandlungsdruck bei den Wiener Gespräche über eine mögliche Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015 erhöhen.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten bereits auf die Ankündigung mit Kritik reagiert. Sie warnten Teheran davor, die Wiener Verhandlungen zu erschweren, die am Donnerstag begonnen hatten. Auch eine Delegation der USA war dabei anwesend, nahm aber nur indirekt an den Gesprächen teil.

Streit um Abkommen und US-Sanktionen

Die 2015 geschlossene Wiener Nuklearvereinbarung soll verhindern, dass der Iran die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe erlangt. 2018 traten die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen aus und verhängten neue Sanktionen gegen Teheran. Die neue US-Regierung von Joe Biden hat sich grundsätzlich zu neuen Verhandlungen mit dem Iran bereit erklärt, dringt allerdings darauf, dass das Land zunächst zu seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen zurückkehren müsse. Der Iran erklärte, man sei dazu bereit - wenn das Abkommen von allen Partnern umgesetzt und die US-Sanktionen aufgehoben würden.

Das Atomabkommen gestattet dem Iran lediglich eine Urananreicherung von 3,67 Prozent für eine zivile Nutzung von Atomenergie. Bereits im Januar hatte Teheran aber mit der Erhöhung der Urananreicherung auf 20 Prozent begonnen. Der Schwellenwert der Urananreicherung für eine militärische Nutzung von Atomkraft liegt bei 90 Prozent. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2021 um 12:00 Uhr.