Protestierende Frauen ohne das vorgeschriebene Kopftuch heben ihre Hände und zeigen das Victory-Zeichen (Archivbild). | dpa

Lage im Iran Iran greift Kurden im Nordirak an

Stand: 21.11.2022 09:15 Uhr

Irakischen Berichten zufolge hat der Iran erneut kurdische Ziele im Nordirak angegriffen. Teheran wirft den iranisch-kurdischen Oppositionsgruppen vor, die Proteste im Land anzuheizen. Inzwischen wurde ein sechstes Todesurteil verhängt.

Im Nordirak haben iranische Truppen lokalen Behörden zufolge erneut iranisch-kurdische Oppositionsgruppen angegriffen. "Die Revolutionsgarden haben erneut iranisch-kurdische Parteien bombardiert", erklärte der Anti-Terror-Dienst der autonomen Region Kurdistan im Irak.

Nach kurdischen Angaben ist dabei mindestens ein Mensch getötet worden. "Ein Mitglied der Peschmerga wurde bei einem iranischen Angriff auf das Gebiet Kojsindschak getötet", erklärte Ali Budaghi von der Demokratischen Partei Iranisch-Kurdistans (PDKI). Als Peschmerga werden die Streitkräfte der autonomen Kurdenregion im Nordirak bezeichnet.

US-Militär: Angriffe gefährden Zivilisten

Die PDKI und die iranisch-kurdische Organisation Komala gaben an, dass ihr die iranischen Attacken gegolten hätten. Diese "wahllosen Angriffe" geschähen zu einer Zeit, in der "das iranische Terrorregime" nicht in der Lage sei, die anhaltenden Proteste in den kurdischen Gebieten des Irans zu stoppen, erklärte die PDKI.

Auch die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete von "iranischem Raketenbeschuss und Drohnenangriffen", die auf "drei iranische Oppositionsparteien in Kurdistan" im Irak zielten. Das US-Militär verurteilte die Attacken. Dadurch würden Zivilisten gefährdet und die Souveränität des Iraks verletzt.

Iran macht kurdische Gruppen für Proteste verantwortlich

Bereits vor einer Woche hatte Teheran von ihr als "terroristisch" eingestufte Gruppen in der Region Kurdistan-Irak mit Raketen und Drohnen angegriffen. Teheran wirft iranisch-kurdischen Exilgruppen im Nordirak vor, die landesweiten Proteste im Iran zu schüren. Zwar gibt es im ganzen Iran Proteste, in den kurdischen Gebieten im Westen sind sie aber besonders zahlreich.

Prominente festgenommen

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, sind im Iran zwei bekannte Schauspielerinnen festgenommen worden, nachdem sie in der Öffentlichkeit ihre Kopftücher abgenommen hatten.

Hengameh Ghasian, die immer wieder Kritik am Regime für dessen gewalttätige Reaktion auf die Proteste übte, veröffentlichte ein Video, in dem sei ihr Kopftuch ablegte. "Vielleicht ist dies mein letzter Beitrag", schrieb sie. "Was auch immer mit mir geschieht, ihr sollt wissen, dass ich bis zu meinem letzten Atemzug auf der Seite der iranischen Bevölkerung stehe." Auch Katajun Riahi wurde laut AFP festgenommen.

Sechstes Todesurteil

Zudem soll das Revolutionsgericht in Teheran einen weiteren Demonstranten zum Tode verurteilt haben. Es ist bereits das sechste Todesurteil im Zusammenhang mit den Protesten. Insgesamt sind nach Zählungen von Menschenrechtsorganisationen mittlerweile mehr als 370 Menschen bei den Protesten getötet worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2022 um 08:00 Uhr.