Mustafa al-Kasimi, Ministerpräsident des Irak, sitzt auf einem Sessel. | dpa

Irak Regierungschef übersteht Drohnenangriff

Stand: 07.11.2021 08:02 Uhr

Mit einer sprengstoffgefüllten Drohne haben Unbekannte die Residenz des irakischen Ministerpräsidenten al-Kadhimi in Bagdad angegriffen. Der Regierungschef wurde nicht verletzt. Er rief zu Ruhe auf.

Der irakische Regierungschef Mustafa al-Kadhimi hat einen Drohnenangriff auf seine Residenz in Bagdad unbeschadet überstanden. "Der Premier blieb unversehrt und er ist bei guter Gesundheit", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ina aus einer Mitteilung des militärischen Sicherheitszentrums. Al-Kadhimi selbst twitterte kurz darauf ebenfalls, dass es ihm gut gehe. "Ich fordere von allen Ruhe und Zurückhaltung im Irak."

Drohne mit Sprengstoff eingesetzt

Bei dem Angriff am frühen Morgen sei eine mit Sprengstoff gefüllte Drohne eingesetzt worden, berichtete Ina. Die Agentur veröffentlichte Aufnahmen von Zerstörungen an einem Gebäude. Nach unbestätigten Berichten des Senders Al Arabiya wurden mindestens fünf Leibwächter des Regierungschefs verletzt. Die Sicherheitskräfte hätten die "notwendigen Maßnahmen" ergriffen, hieß es weiter in der Mitteilung.

Über die Hintergründe oder Urheber des Angriffs gab es zunächst keine Informationen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Die Residenz liegt innerhalb der besonders geschützten "Grünen Zone" im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Westliche Diplomaten berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, sie hätten dort Explosionen und Schüsse gehört.

Die US-Regierung verurteilte den Angriff und sprach von einem "offensichtlichen Terrorakt", der sich "gegen das Herz des irakischen Staates" richte. Washington habe den irakischen Sicherheitskräften Unterstützung bei der Aufklärung des Angriffs angeboten, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price.

Proteste gegen Parlamentswahlen

Anhänger schwer bewaffneter Gruppen, die dem Iran nahestehen, hatten in den vergangenen Wochen immer wieder in der Nähe der "Grünen Zone" demonstriert. Sie protestierten gegen das Ergebnis der letzten Parlamentswahl vor knapp vier Wochen, in der ihre parlamentarische Macht beschnitten wurde.

Bei den Wahlen hatte die Partei des schiitischen Klerikers Moktada al-Sadr nach offiziellen Angaben mit klarem Vorsprung gewonnen. Einer der einflussreichsten pro-iranischen Politiker im Irak, Hadi al-Amiri, hatte den Wahlsieg al-Sadrs jedoch nicht anerkannt. Seit Jahren folgen nach Parlamentswahlen schwierige Verhandlungen zur Regierungsbildung, die sich Monate hinziehen können. Die schiitische Mehrheit in der Bevölkerung hat seit der US-geführten Invasion 2003 alle Regierungen gestellt oder dominiert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. November 2021 um 09:00 Uhr.