Mitarbeiter der indisch-tibetischen Grenzpolizei bei den Rettungsarbeiten  | dpa

Gletscherabbruch in Indien Mindestens 26 Tote und viele Verletzte

Stand: 08.02.2021 17:05 Uhr

Kälte, Schlamm und Trümmer: Nach dem Gletscherabbruch in Nordindien ist die Zahl der Toten auf 26 gestiegen. Mehrere Menschen werden noch vermisst, darunter Dutzende eingeschlossene Arbeiter in einem Wasserkraftwerk.

Durch die von einem Gletscherabbruch in Nordindien ausgelöste Sturzflut in Nordindien sind mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 160 wurden verletzt. Mindestens 170 weitere Menschen werden noch vermisst, wie die Behörden mitteilten. Bei den meisten Vermissten handelte es sich den Angaben zufolge um Arbeiter in zwei Kraftwerken.

In einer ersten Bilanz am Sonntag hatten die Behörden noch bekanntgegeben, dass drei Menschen tot geborgen worden seien. Die Zahl der Vermissten war ursprünglich mit etwa 200 beziffert worden. 15 Menschen hätten gerettet werden können.

"Alles wurde weggeschwemmt"

Ein Teil des Gletschers war am Wochenende in einen Damm gerauscht und hatte eine Lawine aus Geröll und Wasser ausgelöst, die flussabwärts gestürzt war. Das Unglück ereignete sich auf gut 2000 Meter über dem Meer im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand.

Mehrere Brücken seien weggerissen sowie Straßen beschädigt worden, hieß es von den Behörden. "Alles wurde weggeschwemmt, Menschen, Vieh und Bäume", berichtete ein Augenzeuge des nahegelegenen Dorfes Raini. Da sich der gesamte Gletscher flussabwärts bewege, seien Menschen in tieferliegenden Dörfer in Sicherheit gebracht worden.

Retter suchen nach eingeschlossenen Arbeitern

Auch wurden zwei Kraftwerke unter den Fluten und Gesteinsmassen begraben. Dutzende Arbeiter sind hier noch eingeschlossen - laut Behördenangaben mindestens 34. Die Rettungskräfte konzentrieren sich auf einen 2,5 km langen Tunnel, in dem die Arbeiter von Wasserkraftwerken vermutlich eingeschlossen sind. Es gebe noch keinen Sprachkontakt mit den Verschütteten, sagte ein Polizeibeamter.

Mit Schlamm bedecktes Wasserkraftwerk in Indien | dpa

Mit Schlamm bedecktes Wasserkraftwerk: Rettungskräfte suchen nach eingeschlossenen Arbeitern. Bild: dpa

Kälte, Schlamm und Trümmer

Das schroffe Terrain, die Kälte und der Schlamm seien eine große Herausforderung für die Rettungskräfte. Der Tunnel stecke voller Trümmer, die der Fluss mitgerissen habe, sagte ein hoher Beamter der paramilitärischen Grenzpolizei. Diese müssen mit Maschinen weggeräumt werden.

Zwölf Arbeiter seien nach Angaben der Nachichtenagentur AP noch am Sonntag gerettet worden. Einer der Geretteten, Rakesh Bhatt, berichtete, er habe im Tunnel gearbeitet und zunächst geglaubt, das eingedrungene Wasser stamme wohl von einem Regenguss. "Aber als wir den Schlamm und die Trümmer sahen, die mit großem Tempo hereinkamen, begriffen wir, dass da etwas Größeres los ist", sagte er. Über ein Mobiltelefon hätten sie Alarm geschlagen. "Wir haben fast sechs Stunden gewartet - zu Gott gebetet und miteinander Witze gerissen, um guten Mutes zu bleiben", sagte Bhatt. Er sei als erster herausgeholt worden und sehr erleichtert gewesen.

In der hügeligen Landschaft gibt es immer wieder Unglücke. Bei besonders starkem Monsunregen 2013 etwa starben mehr als 6000 Menschen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Februar 2021 um 09:00 Uhr.