Hilfsgüter für Indien werden in ein Flugzeug der Bundesregierung verladen. | Thorsten Weber/ Bundeswehr

Corona-Krise Deutsche Hilfslieferung für Indien gestartet

Stand: 01.05.2021 12:47 Uhr

Beatmungsgeräte und Fachpersonal schickt die Bundesregierung nach Indien, um das kollabierte Gesundheitssystem zu stabilisieren. Den neunten Tag in Folge verzeichnet das Land einen neuen Höchststand bei den Corona-Neuinfektionen.

Ein Airbus der Luftwaffe ist mit 120 Beatmungsgeräten an Bord vom Flughafen Köln-Wahn aus in Richtung der indischen Hauptstadt Neu-Delhi gestartet. Die deutsche Lieferung soll helfen, die jüngste massive Corona-Welle in Indien wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Landung ist nach etwa neun Stunden Flugzeit geplant, wie die Luftwaffe erklärte.

Sanitätsfachpersonal fliegt mit

"An Bord ist auch Sanitätsfachpersonal, das den Betrieb einer Anlage zur Herstellung von Sauerstoff vorbereiten soll", sagte ein Sprecher Nachrichtenagentur dpa. Dieses Team umfasse 13 Mitarbeiter. Sie sollen in Indien Personal des örtlichen Roten Kreuzes einweisen und dazu 14 Tage im Land bleiben.

Die Luftwaffe setzt für die Indienhilfe den Airbus A350 "Kurt Schumacher" der Flugbereitschaft ein, der sonst auch Kanzlerin Angela Merkel und Mitglieder der Regierung fliegt. Wegen der Corona-Pandemie ist der politische Flugbetrieb derzeit deutlich eingeschränkt.

Überlastetes Gesundheitssystem

Durch den anhaltend starken Anstieg der Corona-Neuinfektionen ist das indische Gesundheitssystem überlastet - es fehlt an allem. Zuletzt gingen Bilder von schwerkranken, um Luft ringenden Corona-Patienten in Indien um die Welt. Menschen ersticken, weil den Krankenhäusern der Sauerstoff ausgeht - oder weil sie erst gar nicht aufgenommen werden. Sie sterben zuhause, manche sogar auf der Straße. Die sozialen Netzwerke sind voll mit Hilferufen.

Die Sauerstoffanlage der Bundeswehr, deren Einsatz jetzt vorbereitet wird, soll Mitte nächster Woche über Dubai nach Indien geflogen werden - mit zwei Transportmaschinen vom Typ A400M. Sie soll zumindest einigen der Schwerkranken helfen.

Schon Anfang der Woche hatte Bundeskanzlerin Merkel angesichts der dramatischen Pandemielage in Indien angekündigt, dass die Bundesregierung helfen werde. Deutschland ist damit eines von mehr als 40 Ländern, die Hilfen in Aussicht gestellt oder bereits geliefert haben.

Hilfsgüter für Indien werden in ein Flugzeug der Bundesregierung verladen. | Thorsten Weber / Bundeswehr

Hilfsgüter für Indien werden in ein Flugzeug der Bundesregierung verladen. Bild: Thorsten Weber / Bundeswehr

"Tiefe Freundschaft"

"Im Kampf gegen die Pandemie müssen wir alle zusammenstehen", hob das Bundesverteidigungsministerium auf Twitter hervor. Indien sei "hart von der Corona-Pandemie getroffen".

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte auf Twitter, Deutschland verbinde mit Indien "eine tiefe Freundschaft". Da die Corona-Pandemie das südasiatische ins Herz treffe, schicke die Bundesregierung "dringend benötigte Güter zur Versorgung der Patienten" und stehe dem Land "in seinem Kampf gegen die Pandemie zur Seite".

401.993 Neuinfektionen am Tag

Abermals erreichten die Neuinfektionszahlen einen Höchststand - den neunten Tag in Folge. Das indische Gesundheitsministerium registrierte 401.993 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages - so viele, wie noch kein anderes Land an einem Tag verzeichnet hat. Im selben Zeitraum starben 3523 Menschen in Verbindung mit Covid-19. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer bei den gemeldet Fällen in dem 1,3 Milliarden-Einwohner-Land. Der Anstieg der Neuinfektionen ist vermutlich auch auf die neue Virusvariante B.1.617 zurückzuführen.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat die indische Regierung die Impfung für alle Erwachsenen freigegeben. Mehrere indische Bundesstaaten berichteten aber, dass ihnen die Impfdosen ausgingen oder bereits ausgegangen seien. Obwohl Indien einer der größten Impfstoffproduzenten ist, war die Produktion zuletzt ins Stocken geraten - es fehlten Rohmaterialien. Die USA hatten einen Exportstopp verhängt, der erst diese Woche aufgehoben wurde. Bis Ende März hatte Indien noch Impfstoffe im Rahmen der UN-Initiative Covax an ärmere Staaten geliefert - bis die Infektionszahlen im eigenen Land explodierten. Dort erhielten bislang weniger als zehn Prozent der Menschen mindestens eine Impfdosis. Nur etwa zwei Prozent sind vollständig geimpft.

Mit Informationen von Peter Hornung, ARD-Studio Südasien

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Mai 2021 um 12:50 Uhr.

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Moderation 01.05.2021 • 17:09 Uhr

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