Die Kolonialflagge von Hongkong und Bilder von Queen Elizabeth vor dem britischen Generalkonsulat in Hongkong. | REUTERS

Einstige Kronkolonie Hongkong trauert um die "Boss Lady"

Stand: 13.09.2022 12:07 Uhr

Die Anteilnahme am Tod der Queen ist auch in Hongkong groß. Viele Bewohner der einstigen britischen Kronkolonie gedenken der verstorbenen "Boss Lady", wie vor allem ältere Hongkonger die Queen nennen.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai, zzt. in Peking

Hunderte Menschen kamen vor dem britischen Konsulat in Hongkong zusammen, um Blumen zum Gedenken an Königin Elizabeth II. niederzulegen. Einige standen Schlange, um sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Sechs Tage lang ist das britische Konsulat für die Öffentlichkeit zugänglich, um der verstorbenen Königin zu gedenken, die von vielen in der Stadt auf Kantonesisch Si Tau Po, übersetzt "Boss Lady", genannt wird.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

Hongkong war 156 Jahre lang britische Kolonie, bis es vor 25 Jahren an die Volksrepublik China übergeben wurde. Zwei Mal hatte Königin Elizabeth II. die Stadt während ihrer Regentschaft besucht. In der Nähe des britischen Konsulats in Hongkong sagt ein 66-jähriger Passant dem ARD-Hörfunk:

Es hat uns nie jemand gezwungen, das Vereinigte Königreich zu lieben. Wir haben auch blühende und wohlhabende, goldene Zeiten genießen dürfen, sind von einem kleinen Dorf zu einer Großstadt geworden. Es war auch die zugänglichste Zeit unter britischer Regierung. Hongkong war voller Hoffnung und Elan. Dies sind die Erinnerungen der Menschen in Hongkong an die Zeit vor 1997.

"Es gab Freiheit"

Eine 69-Jährige, die ebenfalls die Kolonialzeit in Hongkong miterlebt hat, erinnert sich, dass damals in Hongkong die britische Flagge gehisst wurde. Sie meint, dass Königin Elizabeth heute vielleicht sogar noch mehr respektiert und geschätzt wird als früher: "Auch wenn es keine Demokratie gab, so gab es doch Freiheit. Wir vermissen auch sehr die alten Zeiten mit der Freiheit des Denkens."

Pekings Einfluss hat zugenommen

Die Freiheiten in Hongkong wurden in den vergangenen Jahren immer weniger. Der Einfluss der kommunistischen Staats- und Parteiführung in Peking hat zugenommen. Und das obwohl den Hongkongern bei der Übergabe an die Volksrepublik Autonomie- und Freiheitsrechte bis ins Jahr 2047 versprochen wurden - in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag.

Vor zwei Jahren hat die Pekinger Zentralregierung ein sogenanntes Nationales Sicherheitsgesetz in Hongkong eingesetzt. Seitdem sind viele Demokratieaktivisten, politische Oppositionelle, Regierungskritiker und Journalisten festgenommen worden oder haben das Land verlassen. Viele in Richtung Großbritannien.

Öffentliche Trauer möglicherweise riskant

Das Gesetz geht hart gegen alles vor, was als Kritik an der Regierung gewertet wird. Darunter zählt auch die sogenannte "Verschwörung mit ausländischen Mächten", was auch die öffentliche Trauer um Königin Elizabeth II. in Hongkong unter den derzeitigen Bedingungen riskant machen könnte.

Während der Demokratieproteste von 2019 hatten Befürworter der Demokratie unter anderem auch Kolonialflaggen geschwenkt. Denn die Kolonialzeit wird rückblickend von manchen Aktivisten als freiheitlicher gesehen als das heutige Hongkong. Heute ist von den Protesten nichts mehr übrig.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. September 2022 um 04:33 Uhr.