Ein Exemplar der Hongkonger Zeitung "Daily Apple"  wird verkauft | AP

Zeitung in Hongkong wehrt sich "Wir müssen weitermachen"

Stand: 18.06.2021 13:14 Uhr

Nach der Razzia mit mehreren Festnahmen geht die chinakritische Zeitung "Apple Daily" in die Offensive: Sie druckte 500.000 Exemplare - statt der üblichen 80.000. Gegen zwei führende Mitarbeiter wurde Anklage erhoben.

Einen Tag nach der Polizei-Razzia in der Redaktion der pro-demokratischen Hongkonger Zeitung "Apple Daily" hat der Verlag die Auflage deutlich gesteigert. Statt der üblichen 80.000 Exemplare wurden nach Angaben des Blattes 500.000 Exemplare gedruckt.

Auf der Titelseite der neuen Ausgabe wurde über die Razzia berichtet, zudem war in fett gedruckten gelben Buchstaben "Wir müssen weitermachen" zu lesen. 

Schlangen vor Verkaufsständen

Im Arbeiterviertel Mongkok standen Anwohner am frühen Morgen Schlange, um ein Exemplar der "Apple Daily" zu bekommen. "Normalerweise verkaufen wir gut 60 Stück, aber heute waren es 1800. Jetzt ist alles ausverkauft", sagte ein Standbetreiber der Nachrichtenagentur AFP. 

Gestern hatten etwa 500 Polizisten die Redaktionsräume der Zeitung durchsucht und fünf Führungskräfte festgenommen, darunter den Chefredakteur. Ihn und den Geschäftsführer der Zeitung stellten die Behörden unter Anklage, teilte die Polizei mit. Ihnen werde Absprache mit dem Ausland vorgeworfen.

"Apple Daily" berichtet, die Beamten hätten 44 Festplattenlaufwerke beschlagnahmt. Außerdem wurden Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet knapp zwei Millionen Euro eingefroren.

Scharfe Kritik an Vorgehen der Polizei

Die Razzia war von westlichen Regierungen, Menschenrechtsgruppen und Journalistenverbänden scharf kritisiert worden. Sie sehen in dem Schritt eine weitere Einschränkung der Pressefreiheit in Hongkong durch die Führung in China.

Die "Apple Daily" ist der chinesischen Führung und der Peking-treuen Hongkonger Regierung seit Langem ein Dorn im Auge. Das Blatt unterstützt konsequent die Demokratie-Bewegung in der Millionenmetropole.  Der Besitzer Jimmy Lai verbüßt aktuell mehrere Haftstrafen aufgrund seiner Beteiligung an pro-demokratischen Protesten 2019.

Mit Informationen von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2021 um 15:48 Uhr.