Carlos Ghosn | REUTERS

Spektakuläre Flucht aus Japan Helfer von Topmanager Ghosn gestehen

Stand: 14.06.2021 16:13 Uhr

Sie sollen dabei geholfen haben, den ehemaligen Automanager Ghosn in einem Koffer aus Japan in den Libanon zu schmuggeln: Zwei Komplizen haben die Fluchthilfe gestanden. Den US-Bürgern drohen drei Jahre Haft.

Eigentlich sollte sich der ehemalige Renault-Chef Carlos Ghosn in Tokio einem Gerichtsverfahren wegen des Vorwurfs schwerer Veruntreuung von Geldern stellen, stattdessen gelang ihm eine einigermaßen spektakuläre Flucht an Bord eines Privatjets - in einem Musikkoffer. Dabei hatte er Komplizen: Zwei US-Amerikaner, Vater und Sohn, haben ihre Fluchthilfe jetzt gestanden.

Sie räumten zum Prozessbeginn in Tokio die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein: Demnach haben der 60-jährige Michael T. und sein 28-jähriger Sohn Peter zuerst den Fluchtplan erstellt und schließlich die Flucht ermöglicht. Ein dritter mutmaßlicher Helfer aus dem Libanon ist weiter flüchtig.

"Vielleicht ist da eine junge Frau drin"

Bei Michael T. handelt es sich um einen früheren Elitesoldaten der US-Armee, der im Bereich der privaten Sicherheitsdienstleistungen tätig ist. Er soll nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft mehrfach nach Japan gereist sein und sich dort mindestens sieben Mal mit Ghosn getroffen haben. Sein Sohn Peter soll japanischen Medien zufolge 144 Millionen Yen - das entspricht knapp 1,1 Millionen Euro - von der Ghosn-Familie für die Hilfe erhalten haben.

Das meiste Geld verwendeten die Angeklagten demnach für die Vorbereitungen der Flucht, darunter für den Privatjet. Sie bestritten, konkret für ihre Hilfe bezahlt worden zu sein. Das Gericht führte erneut die Details der Flucht aus - wie Ghosn in dem für Musikausrüstung gedachten Koffer versteckt wurde, in den Löcher gebohrt worden waren, damit der Ex-Manager Luft bekommt. Wie die drei Fluchthelfer sich als Musiker ausgaben und damit die Gepäckkontrolle am Flughafen überlisteten. Und wie ein Mitarbeiter des Flughafenpersonals beim Gewicht des Koffers noch scherzte: "Vielleicht ist da eine junge Frau drin."

Weitere Fluchthelfer sind bereits verurteilt

Ende Februar hatte bereits ein Gericht in Istanbul drei türkische Staatsbürger wegen Verschwörung zum Schmuggel eines Migranten zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Unter ihnen waren auch die beiden Piloten, die die Maschine mit Ghosn an Bord zunächst von Tokio nach Istanbul geflogen haben sollen, von wo aus er seine Flucht in den Libanon fortsetzte.

In Japan wartete Ghosn vor seiner Flucht eigentlich auf seinen Prozess. Er war dort im November 2018 festgenommen worden. Die Justiz wirft ihm unter anderem vor, private Verluste auf den japanischen Autohersteller Nissan übertragen zu haben, der mit dem französischen Autobauer Renault verbündet ist, sowie Firmenkapital zweckentfremdet zu haben. Seit seiner Flucht hält sich der in Ungnade gefallene Automanager weiter im Libanon auf und darf das Land nicht verlassen.

Allerdings weist der Libanon seine Staatsbürger nicht aus, weshalb die japanische Justiz keinen Zugriff auf Ghosn hat. Der besitzt neben zwei weiteren auch die libanesische Staatsbürgerschaft.

Auch in Frankreich laufen Ermittlungen gegen Ghosn. Dabei geht es unter anderem um die möglicherweise illegale Finanzierung zweier rauschender Feste auf Schloss Versailles.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Juni 2021 um 13:32 Uhr.