Aus diesen Röhren in einem inzwischen ausgebrannten Auto sollen die Raketen abgefeuert worden sein. | AFP

Vor US-Abzug Raketenangriff auf Flughafen Kabul

Stand: 30.08.2021 14:27 Uhr

Kurz vor dem Ende der Luftbrücke ist der Flughafen in Kabul mit Raketen beschossen worden. Sie richteten nach US-Angaben keinen Schaden an. Der Evakuierungseinsatz sei dadurch nicht unterbrochen worden.

Auf den Flughafen von Kabul sind fünf Raketen abgefeuert worden. Nach Angaben des US-Militärs wurden alle Raketen von einem Abwehrsystem abgefangen. Das C-RAM-System erkennt automatisch anfliegende Raketen und Mörsegranaten und aktiviert dann eine mehrläufige Gatling-Waffe, die heranfliegende Objekte bekämpft.

Bill Urban, der Sprecher des US-Zentralkommandos, erklärte, es habe keine verletzten Amerikaner bei dem Zwischenfall gegeben. Er sagte, der Flugplatz bleibe betriebsfähig.

Mehrere Raketen schlugen in dem nahe gelegenen Viertel Salim Karwan ein, wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Augenzeugen berichtet. Ob es Todesopfer oder Verletzte gab, ist bislang unklar.

IS reklamiert Angriff für sich

Der "Isamische Staat" erklärte, für den Raketenangriff verantwortlich zu sein. Man habe sechs Raketen auf den Airport abgefeuert, teilte die Terrormiliz über ihren Telegram-Kanal mit.

Nach Berichten afghanischer Medien wurden die Raketen aus dem Heck eines Fahrzeugs abgefeuert - die Verantwortlichen sind unbekannt. Die Taliban fanden ein ausgebranntes Auto, in das eine Abschussvorrichtung eingebaut worden war.

US-Präsident Joe Biden sei über den Angriff informiert worden, der laufende Evakuierungseinsatz habe nicht unterbrochen werden müssen, teilte das Weiße Haus mit.

Rettungsflüge enden am Dienstag

Die USA stehen kurz vor dem Abschluss ihres Truppenabzugs aus Afghanistan. Am Dienstag verlassen die US-Streitkräfte nach rund 20 Jahren das Land. Damit endet auch die Luftbrücke, um Menschen nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor zwei Wochen auszufliegen. Seit dem 15. August wurden etwa 114.00 Menschen aus Afghanistan herausgebracht.

Die letzten Stunden eines Einsatzes gelten als besonders gefährlich, weil die Sicherheitsmaßnahmen durch die geringere Anzahl von Soldaten löchriger werden. Zudem werden auch bodengestützte Aufklärungs- und Verteidigungssysteme irgendwann abgeschaltet und verladen.

Zivile Opfer bei US-Drohnenangriff?

Am vergangenen Donnerstag waren bei einem verheerenden Anschlag am Flughafen Kabul bis zu 200 Menschen getötet worden. Auch 13 US-Soldaten und zwei Briten starben. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannte sich zu dem Selbstmordattentat.

Ein weiterer Anschlag konnte am Wochenende nach US-Darstellung dadurch verhindert werden, dass ein bereits mit Sprengstoff beladenes Auto in Kabul bei einem US-Drohnenangriff zerstört wurde. Es wird untersucht, ob es dabei auch zivile Opfer gab. "Wir haben Kenntnis von Berichten über zivile Opfer", erklärte ein Sprecher der US-Armee. CNN hatte berichtet, dass neun Mitglieder einer Familie, darunter sechs Kinder, getötet worden seien. Der lokale TV-Sender ToloNews berichtet sogar von mindestens zehn getöteten Zivilisten.

"Wir wissen, dass es nach der Zerstörung des Fahrzeugs zu erheblichen und starken Explosionen kam, was auf eine große Menge an Sprengstoff im Fahrzeuginneren hindeutet", so der Militärsprecher. "Wir wären zutiefst traurig über jeden möglichen Verlust von unschuldigen Menschenleben." Der Angriff habe eine "akute Gefahr" für den Flughafen durch den IS beseitigt, so das Pentagon.

Beratungen des UN-Sicherheitsrats

Heute wollen UN-Generalsekretär António Guterres und die Vertreter der ständigen Sicherheitsrats-Mitglieder über eine mögliche UN-Sicherheitszone in Kabul sprechen. Frankreich und Großbritannien wollen das im UN-Sicherheitsrat durchsetzen. "Unser Resolutionsentwurf zielt darauf ab, eine Sicherheitszone in Kabul zu definieren, die eine Fortsetzung der humanitären Operationen ermöglicht", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron der Zeitung "Le Journal du Dimanche".

US-Außenminister Antony Blinken will den weiteren Umgang mit Afghanistan unter anderem mit Vertretern Deutschlands, Katars, der Türkei und der EU besprechen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im Morgenmagazin am 30. August 2021 um 07:00 Uhr.

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Moderation 30.08.2021 • 14:12 Uhr

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