Ein Mensch in Schutzkleidung läuft mit einem Schild, das zum Abstandhalten auffordert durch eine leere Straße in Shanghai | AP

Corona-Ausbruch in Shanghai Lockdown jetzt auf unbestimmte Zeit

Stand: 05.04.2022 09:06 Uhr

China setzt weiter auf eine Null-Covid-Strategie, bekommt den Corona-Ausbruch in Shanghai aber nicht in den Griff. Der Lockdown für eine der größten Städte der Welt wurde abermals verlängert - auf nun unbestimmt Zeit.

Die chinesischen Behörden haben den Corona-Lockdown für Shanghai auf unbestimmte Zeit verlängert. Unter Verweis auf eine hohe Zahl von Infektionen teilte die Stadtregierung mit, dass erst die Ergebnisse des Massentests vom Montag, die Überprüfung sowie der Transport der Infizierten in Quarantäne abgeschlossen werden müssten, bevor über die weitere Richtung der Kontrollmaßnahmen entschieden werde. Vize-Parteichef Gu Honghui sprach vor der Presse von einem "Wettrennen gegen die Zeit".

Der Lockdown betrifft mehr als 25 Millionen Einwohner in einer der größten Städte der Welt. Eigentlich sollten die Ausgangssperren im Westen Shanghais nur von Freitag bis Dienstag laufen. Aber wie zuvor schon im Osten und Süden, wo der Lockdown von Montag bis Freitag gehen sollte, wurde eine Verlängerung angeordnet.

Ein Mensch in Schutzkleidung führt einen Hund in Shanghai an der Leine | REUTERS

Der Lockdown in Shanghai führt zu skurrilen Szenen - etwa wenn sich der Gang vor die Tür mit dem Hund nicht mehr vermeiden lässt. Bild: REUTERS

"Schnell und auf verborgene Weise verbreitet"

"Das Virus hat sich schnell und auf verborgene Weise verbreitet", sagte Gu. "Es ist eine große Herausforderung für die Test-Kapazitäten." Die Behörden arbeiteten unter Hochdruck, um die Lage zu analysieren und Entscheidungen über das weitere Vorgehen zu treffen.

Die Menschen müssen damit weiterhin in ihren Häusern bleiben. Um sie zu versorgen, verteilen die Behörden Lebensmittelpakete. In den vergangenen Tagen gab es in einigen Teilen der Stadt allerdings Engpässe. Selbst chinesische Staatsmedien berichteten von "Schwierigkeiten". In einem in der Volksrepublik seltenen Schritt hatte sich die Stadtverwaltung Shanghai am Donnerstag entschuldigt. Die Regierung habe die Ausbreitung der Omikron-Variante unterschätzt und nicht genug Vorbereitungen für den Anstieg der Neuinfektionen getroffen.

In den Isolationseinrichtungen wird es eng

Positiv Getestete werden in Shanghai entweder in ein Krankenhaus oder in eine dafür vorgesehene Isolationseinrichtung gebracht - auch dann, wenn sie keine Symptome haben. Die entsprechenden Einrichtungen stoßen inzwischen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Kinder und Säuglinge werden von ihren Eltern getrennt, wenn beide Elternteile positiv sind. Die Kinder werden dann in einer gesonderten Einrichtung untergebracht, wenn sich kein Bekannter der Familie um sie kümmern kann.

So viele Fälle wie seit zwei Jahren nicht

Die Zahl der Neuinfektionen in China ist derzeit so hoch, wie seit zwei Jahren nicht. Die Gesundheitskommission in Peking meldete einen Rekord von mehr als 16.000 neuen Infektionen. Mit mehr als 15.000 sind die meisten Fälle asymptomatisch. Allein in Shanghai wurden nach den Tests der vergangenen Tage 268 Erkrankungen und mehr als 13.000 Ansteckungen ohne Symptome gemeldet - erstmals mehr als 10.000 an einem Tag. Schwer betroffen ist auch die nordostchinesische Provinz Jilin, wo ebenfalls Ausgangssperren herrschen und millionenfach getestet wird.

Verglichen mit anderen Ländern sind die Infektionszahlen in China mit seinen gut 1,4 Milliarden Einwohnern eher niedrig. In Deutschland, das nur 83 Millionen Einwohner hat, werden aktuell etwa 180.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet. Anders als die meisten anderen Staaten der Welt verfolgt China allerdings weiterhin eine strikte Null-Covid-Strategie.

Strategie lange erfolgreich

Das bedeutet, dass strenge Maßnahmen wie Ausgangssperren, Massentests oder Abschottung von Städten verhängt werden, wenn auch nur einzelne Fälle auftreten. Im Fall Shanghai gehen chinesische Experten nach Angaben der Staatsmedien davon aus, dass mit den strengen Maßnahmen die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von zwei Wochen auf Null sinken werde.

Mit dieser Strategie waren die Behörden des kommunistischen Landes lange Zeit erfolgreich. Das Leben lief seit zwei Jahren weitgehend normal. Mit der Geschwindigkeit, mit der sich die Omikron-Variante verbreitet, funktionieren die strikten Maßnahmen allerdings immer schlechter.

Mit Informationen von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. April 2022 um 09:00 Uhr.