Mitarbeiter der Gesundheitsdienste in Schutzanzügen auf einer Straße in Shanghai | AFP

Corona-Pandemie Shanghai meldet Höchstwert bei Todesfällen

Stand: 24.04.2022 16:00 Uhr

Trotz strikter Maßnahmen ist die Zahl der Corona-Todesfälle in Shanghai sprunghaft gestiegen. Und auch Pekings Behörden schlagen Alarm: Das Virus könnte sich dort in der vergangenen Woche unbemerkt ausgebreitet haben.

Allen strikten Maßnahmen zum Trotz ist die Zahl der Corona-Toten in Shanghai deutlich gestiegen: Die Behörden der Wirtschaftsmetropole meldeten 39 neue Todesfälle und damit deutlich mehr als den bisherigen Höchstwert von zwölf Toten am Vortag. Auch in Peking sind die dortigen Behörden inzwischen über wachsende Infektionszahlen alarmiert.

Seit Anfang April ist Shanghai weitgehend abgeriegelt, die meisten der rund 25 Millionen Einwohner dürfen ihre Wohnungen so gut wie nicht verlassen. Der Verwaltung gelingt es dabei kaum, die Konsequenzen für die Eingeschlossenen abzufedern: Die Stadt hat Mühe, ihre Bewohner mit frischen Lebensmitteln zu versorgen oder ärztlich betreuen zu lassen, weil die Gesundheitsdienste in erster Linie für Corona-Tests und -Behandlungen gebraucht werden.

Berichte: Barrieren um Wohngebäude errichtet

Zuletzt wurden wegen der Pandemie offenbar Gitterzäune um einige Wohngebäude errichtet. Bilder von Arbeitern in weißen Schutzanzügen, die Eingänge von Wohnblöcken versiegeln und ganze Straßenzüge mit hohen grünen Zäunen absperren, verbreiteten sich in den sozialen Medien und lösten Fragen und Beschwerden von Anwohnern aus.

Laut dem Wirtschaftsmedium "Caixin" wurden an mehreren Orten unter Anweisung der lokalen Behörden Barrieren - entweder aus dünnen Metallblechen oder aus Maschendraht - aufgestellt. Bei Gebäuden, in denen Corona-Ansteckungen nachgewiesen wurden, wurden demnach die Haupteingänge abgeriegelt. Kleine Passagen blieben geöffnet, damit Mitarbeiter der Pandemieprävention hindurchgehen konnten.

Die Stadt mit etwa 26 Millionen Einwohnern hat seit Beginn des Ausbruchs vor fast zwei Monaten Hunderttausende Infektionen, aber weniger als 100 Todesfälle gezählt. Die Nachrichtenagentur AP geht davon aus, dass die Behörden die Art und Weise, wie sie positive Fälle zählen, geändert haben. Das Ergebnis sei wohl eine Unterrepräsentation der tatsächlichen Todesopfer.

Auch in Peking steigen Fallzahlen

Unterdessen warnen auch Pekings Behörden vor "düsteren" Zeiten, nachdem dort allein am Sonntag 22 neue Infektionsfälle gemeldet wurden. Erste Beobachtungen deuteten darauf hin, dass sich das Virus seit einer Woche "unsichtbar" in der Hauptstadt ausgebreitet habe und "Schulen, Reisegruppen und viele Familien" betroffen seien, sagte Behördenvertreter Pang Xinghuo. Bei einem Viertel der Infizierten handelt es sich demnach um über 60-Jährige, von denen die Hälfte ungeimpft ist.

"Das Risiko einer fortgesetzten und versteckten Übertragung ist hoch und die Situation ist düster", sagte Tian Wei vom städtischen KP-Komitee vor Journalisten. "Die gesamte Stadt muss sofort handeln." Im besonders dicht besiedelten östlichen Bezirk Chaoyang sollen nun die Corona-Tests ausgeweitet werden. Auf unbestimmte Zeit wurden bereits in der ganzen Stadt außerschulische Kurse oder sportliche Aktivitäten untersagt.

Pekings Verwaltung hat außerdem strenge Kontrollen für die Einreise in die Stadt verhängt: Wer in die Stadt will, muss einen negativen Covid-Test vorweisen, der nicht älter sein darf als 48 Stunden. Wer in den vergangenen zwei Wochen Städte oder Landkreise besucht hat, in denen mindestens ein Corona-Fall gemeldet wurde, darf gar nicht einreisen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2022 um 09:00 Uhr.