Medizinisches Personal in Schutzkleidung trägt Beutel mit COVID-Proben (Peking, China). | dpa

Gerüchte treiben Aktienkurse Plant China das Ende der Null-Covid-Politik?

Stand: 02.11.2022 09:39 Uhr

In China mehren sich Spekulationen über einen allmählichen Ausstieg aus der Null-Covid-Politik. Schon Gerüchte über die Vorbereitung des Kurswechsels ließen Aktien chinesischer Firmen weltweit steigen.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Im Internet wird spekuliert, die chinesische Staats- und Parteiführung habe ein Gremium beauftragt, einen Ausstieg aus der Null-Covid-Politik vorzubereiten. Den Gerüchten zufolge soll das Gremium unter dem hochrangigen Politiker Wang Huning erarbeiten, wie die strikten Maßnahmen bis März gelockert und die seit zweieinhalb Jahren weitgehend geschlossenen Grenzen der Volksrepublik wieder geöffnet werden können.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Der Sprecher der chinesischen Staats- und Parteiführung, Zhao Lijian, sagte auf Nachfrage eines Reporters, er wisse davon nichts. Die Gerüchte haben allerdings Aktienkurse von chinesischen Unternehmen weltweit steigen lassen. Der Hang Seng Index in Hong Kong schloss gestern fünf Prozent im Plus, nachdem er zwischenzeitlich sieben Prozent im Plus war.

Menschen zunehmend genervt von den Maßnahmen

Seit dem Frühjahr 2020 geht China mit harten Lockdowns, Massentests, Kontaktnachverfolgung anhand von Mobilfunkdaten, Zwangsquarantäne und Reiseverboten gegen kleinste Ausbrüche vor und versucht, das Virus auszumerzen.

Die Menschen sind zunehmend genervt von den Maßnahmen. Die strikte Null-Covid-Politik in Festlandchina richtet außerdem großen wirtschaftlichen Schaden an in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Derzeit sind die Coronazahlen in China mit knapp 3000 Neuinfektionen täglich, so hoch wie seit Monaten nicht mehr.

Covid-Ausbruch in Fabrik: Arbeiter wohl teils eingesperrt

Zuletzt sorgte ein Ausbruch in der größten iPhone-Fabrik der Welt in der Millionenstadt Zhengzhou für Aufsehen. Berichten zufolge wurden Arbeiterinnen und Arbeiter in der Fabrik des Apple-Vertragspartners Foxconn teilweise in ihren Schlafsälen eingesperrt. Videos und Bilder, die im Internet verbreitet wurden, zeigen, wie Hunderte Menschen versuchen zu fliehen.

Behörden haben mittlerweile das Gebiet rund um die Fabrik abgeriegelt. Menschen dürfen "ihre Wohnungen nicht verlassen - außer um Corona-Tests zu machen und medizinische Notfallbehandlungen in Anspruch zu nehmen", erklärten Vertreter des Industriegebiets. Das Gebiet werde sieben Tage lang "statisch verwaltet" werden, hieß es weiter. Die mehr als 600.000 Einwohner des Industriegebiets müssen sich täglich auf das Coronavirus testen, erklärte die örtliche Regierung.

Xi hatte zuletzt Null-Covid-Strategie verteidigt

Auf dem gerade zu Ende gegangenen Parteitag der Kommunistischen Partei hat Generalsekretär Xi Jinping noch einmal die strikte Null-Covid-Strategie verteidigt. Ein Ausstieg ist unter anderem deswegen schwierig, weil Millionen ältere Menschen immer noch nicht vollständig geimpft sind.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. November 2022 um 11:11 Uhr.