Ein Mann mit FFP2-Maske steht in Peking vor einem Frischeregal in einem Supermarkt. | dpa

Corona-Beschränkungen China lockert Auflagen weiter

Stand: 03.12.2022 10:47 Uhr

In ersten Schritten rückt China nach und nach von seiner strikten Null-Covid-Politik ab. Auch in der Hauptstadt Peking treten einige Lockerungen in Kraft. Die WHO begrüßt die vorsichtigen Öffnungen ausdrücklich.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat China bislang eine strikte Null-Covid-Strategie verfolgt - verbunden mit umfassenden Einschränkungen und wochen- oder gar monatelangen Lockdowns in Großstädten. Doch nun rückt die Volksrepublik langsam von diesem strengen Kurs ab und lässt einige Lockerungen zu.

In immer mehr Metropolen wurden inzwischen die Quarantäneregeln und die Testpflicht zumindest etwas gelockert. In den Städten Shenzen und Chengdu dürfen Bewohnerinnen und Bewohner den öffentlichen Nahverkehr wieder nutzen, ohne dass sie einen negativen Corona-Test nachweisen können. In Chengdu allerdings müssen Fahrgäste der U-Bahn nach wie vor per App vorzeigen können, dass sie sich zuvor nicht in einem "Hochrisikogebiet" aufgehalten haben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Gleiches gelte für einen Besuch in einem öffentlichen Park.

Auch die Metropole Tianjin hat mehrere Lockerungen der Corona-Auflagen angekündigt. In Urumqi im Nordwesten Chinas stellten die zuständigen Behörden sogar die schrittweise Öffnung von Supermärkten, Hotels, Restaurants und von Ski-Gebieten in Aussicht.

Auch Peking streicht teils strenge Nachweispflicht

Auch in Peking werden schrittweise immer mehr Lockerungen vorgenommen, allerdings nur nach und nach. Erste kleine Schritte gab es seit Ende November, als die Stadtbehörden beschlossen, nicht mehr ganze Wohnblöcke abzuriegeln, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner positiv auf den Erreger getestet wurde.

In der chinesischen Hauptstadt soll ab Beginn der kommenden Woche der Nahverkehr einschließlich der U-Bahn wieder ohne Negativtest genutzt werden können. Ebenso soll der Einkauf im Supermarkt wieder ohne negativen Testnachweis möglich sein. Laut Reuters wurden am Samstag mehrere Teststationen in Peking geschlossen und abgebaut. Um im Büro arbeiten zu können, muss ein solcher Nachweis aber auch weiterhin erbracht werden.

Zudem riefen die Gesundheitsbehörden in Peking Krankenhäuser auf, auch wieder Patienten ohne negativen PCR-Test zu behandeln, hieß es von der Nachrichtenagentur AFP weiter. Ein Stadtbezirk plane demnach auch die Isolationspflicht zu ändern: Bisher müssen sich Infizierte in staatlichen Einrichtungen isolieren. In dem Bezirk soll "unter bestimmten Voraussetzungen" künftig auch die Isolation im eigenen Zuhause möglich sein. Am Freitag hatten mehrere Gesundheitsexperten in der chinesischen Zeitung "People's Daily" gefordert, eine solche häusliche Isolation landesweit zu ermöglichen.

Xi: Lockerungen durch Omikron möglich

Auch Chinas Präsident Xi Jinping hatte im Rahmen eines Staatsbesuchs von EU-Ratspräsident Charles Michel vor zwei Tagen Lockerungen in der strengen Corona-Politik in Aussicht gestellt. Die weniger gefährliche Omikron-Variante des Virus erlaube die Öffnungen, so der chinesische Staatschef. Xi räumte ein, dass die Bevölkerung nach drei Jahren der Pandemie "frustriert" sei.

In mehreren chinesischen Städten hatte es zuletzt Proteste gegeben - zunächst gegen die Null-Covid-Strategie und die damit verbundenen Einschränkungen, später richteten sie sich jedoch teils auch allgemein gegen die chinesische Führung unter Präsident Xi.

Die Proteste gelten als die größten seit Jahrzehnten in der Volksrepublik, allein in Shanghai oder Peking gingen bei Demonstrationen Hunderte Menschen auf die Straße. In einigen Fällen kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, zum Teil wurden Proteste durch ein hartes Vorgehen von Sicherheitskräften unterbunden. Landesweit gab es zahlreiche Festnahmen.

WHO begrüßt Öffnungsschritte

Auch mit Blick auf die Proteste hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die nun nach und nach auf den Weg gebrachten Lockerungen in China begrüßt. Es sei wichtig, dass die Regierungen im jeweiligen Kampf gegen die Corona-Pandemie auf das Volk hörten, betonte WHO-Experte Mike Ryan und forderte mehr Tempo bei der Umsetzung der Lockerungen. Angesichts der extrem leichten Übertragbarkeit der zirkulierenden Omikron-Variante des Virus sei eine Null-Covid-Strategie ohnehin schwierig.

Ryan rief China dazu auf, die Impfquote im eigenen Land zu erhöhen und dafür auch auf westliche Vakzine wie etwa von BioNTech und Pfizer oder von Moderna zu setzen. In China entwickelte Impfstoffe zeigen im Vergleich eine geringere Wirksamkeit und laut WHO könnten sie gegenüber der Omikron-Variante kaum noch wirksam sein. In China sind bisher allerdings nur Impfstoffe zugelassen, die in der Volksrepublik entwickelt wurden.

Zuletzt hatten die chinesischen Gesundheitsbehörden erneut Höchststände an täglichen Neuinfektionen seit Ausbruch der Pandemie gemeldet. In den vergangenen 24 Stunden gingen die Zahlen Behördenangaben zufolge landesweit wieder etwas zurück: Die Nationale Gesundheitskommission sprach von knapp 33.000 neuen Infektionen binnen eines Tages. Am Vortag waren demnach noch fast 35.000 Fälle gemeldet worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2022 um 11:00 Uhr.