Menschen stehen in dicken Winterjacken an einem Corona-Test-Pavillon in Dalian. | VIA REUTERS

Corona in China Massentests bei klirrender Kälte

Stand: 09.11.2021 07:42 Uhr

Die chinesischen Behörden halten weiter an der Null-Covid-Strategie fest. Der Wintereinbruch und die Delta-Variante machen es den Behörden jedoch zunehmend schwer - in mehreren Landesteilen gibt es lokale Ausbrüche.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Verglichen mit Europa und anderen Teilen der Welt scheinen die Zahlen in China verschwindend gering zu sein. In rund 20 Landesteilen haben die Behörden lokale Ausbrüche gemeldet. In manchen Städten handelt es sich um einzelne Fälle, andere melden zehn, 20 Neuinfektionen am Tag. Die meisten Fälle des jüngsten Ausbruchs gibt es im Norden Chinas, wo es am Wochenende einen Wintereinbruch gab - mit Minustemperaturen und Schnee.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Teilweise mussten die Menschen bei klirrender Kälte im Freien zu Corona-Massentests antreten. Ein Helfer in der Stadt Xining im nordwestlichen Landesteil Qinghai sagte dem Staatssender CCTV: "Wir haben hier drei Zelte aufgebaut an der Teststation, die sind mit Heizungen und Handwärmern ausgestattet und anderen Hilfsmitteln gegen die Kälte."

Das Ziel der Regierung: die lokalen Ausbrüche komplett in den Griff zu bekommen und das Corona-Virus auszumerzen. Doch mit der Delta-Variante, die auch in China vorherrscht und sich schneller verbreitet, sowie niedrigeren Temperaturen, scheint dies schwieriger zu werden.

Öffnung der Grenzen noch nicht in Sicht

Das Ursprungsland der Covid-19-Pandemie hat es nach dem Ausbruch Ende 2019/Anfang 2020 in Wuhan geschafft, seitdem weitgehend Corona-frei zu bleiben. Mit teilweise drastischen Maßnahmen. So sind die Grenzen bis heute fast komplett geschlossen. Die Zahl der Flüge nach China aus dem Ausland ist bis auf ein Minimum zusammengestrichen worden. Inzwischen ist die Volksrepublik das letzte große Land, das an einem strikten Null-Covid-Kurs festhält.

Wann sich China wieder öffne und Chinesen auch problemlos ins Ausland reisen können, sei von der restlichen Welt abhängig, sagte der Virologe Zhong Nanshan vergangene Woche im Staatssender CGTN. "Wie bei anderen Staaten ist auch für uns eine etappenweise Öffnung denkbar. Bei Ländern, die durchgeimpft sind, kann man diesen Schritt schneller machen. Aber Länder mit einer niedrigen Impfquote, da kann man die Reisebeschränkungen nur schrittweise aufheben. Insgesamt schätze ich, wird es noch bis Ende nächsten Jahres dauern, bis man wieder frei reisen kann."

Zwar impft China die Bevölkerung schnell durch - inzwischen werden auch Kleinkinder gegen Corona geimpft. Risikogruppen bekommen die dritte Impfung. Wie gut die chinesischen Impfstoffe bei der Delta-Variante wirken, ist aber nicht ganz klar. Die Olympischen Winterspiele im Februar in der Hauptstadt Peking werden auch deshalb komplett in einer abgeschotteten Blase und ohne Zuschauer aus dem Ausland stattfinden.

Behörden schalten zahlreiche Corona-Apps auf rot

Währenddessen sorgen Berichte für Aufsehen, wonach chinesische Behörden Zehntausende Menschen kontaktiert haben, weil diese sich in denselben Mobilfunkzellen wie bestätigte Covid-19-Fälle aufgehalten haben.

Die Behörden in der Millionenstadt Chengdu haben nach Angaben der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" mehr als 80.000 mögliche Kontakte ausfindig gemacht, weil die sich positiv Getesteten mehr als zehn Minuten auf weniger als 800 Meter genähert haben sollen. Diese wurden über ihre Telefone mit Textnachrichten aufgefordert, zu Hause zu bleiben und zwei PCR-Tests zu machen. Die QR-Codes ihrer Corona-Apps wurden demnach von grün auf rot geschaltet. Damit können sie nicht mehr reisen und häufig auch keine Restaurants, Behörden oder Einkaufszentren betreten.

Dieser Beitrag lief am 09. November 2021 um 05:15 Uhr im Deutschlandfunk.