Afghanistan, Kundus: Annegret Kramp-Karrenbauer kommt auf dem Rollfeld im Camp Pamir in Kundus an (Archiv Dezember 2019) | dpa

Abzug aus Afghanistan "Ortskräfte nicht schutzlos zurücklassen"

Stand: 18.04.2021 08:53 Uhr

Etwa 300 Ortskräfte arbeiten derzeit für die Bundeswehr in Afghanistan. Der geplante Abzug könnte sie in ihrem Heimatland in Gefahr bringen. Die Verteidigungsministerin will sie nun einfacher nach Deutschland holen.

Der Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan könnte die Sicherheit zurückbleibender einheimischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundeswehr gefährden. Daher will Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sie vereinfacht und schnell nach Deutschland holen. Innerhalb der Bundesregierung liefen darüber bereits Gespräche, sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa. "Wir reden hier von Menschen, die zum Teil über Jahre hinweg auch unter Gefährdung ihrer eigenen Sicherheit an unserer Seite gearbeitet, auch mitgekämpft haben und ihren persönlichen Beitrag geleistet haben", sagte Kramp-Karrenbauer. "Ich empfinde es als eine tiefe Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, diese Menschen jetzt, wo wir das Land endgültig verlassen, nicht schutzlos zurückzulassen."

Die NATO hatte vor wenigen Tagen entschieden, bis zum 1. Mai den Abzug aus Afghanistan einzuleiten. Zuvor hatten sich die USA als größter Truppensteller auf den 11. September als Abzugstermin festgelegt - den 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Kaida in den USA. Die Bundeswehr soll schon bis Mitte August abgezogen werden. Deutschland stellt mit 1100 Soldatinnen und Soldaten nach den USA das zweitgrößte Kontingent in der etwa 10.000 Soldaten starken NATO-Truppe.

781 Aufnahmen seit 2013

Das Innenministerium teilte der "Welt am Sonntag" mit, die Bundesregierung werde eigens ein Büro in Kabul und voraussichtlich auch in der Region um Masar-i-Scharif als Anlaufstelle einrichten, "um die Verfahren im Interesse der Betroffenen einfacher zu organisieren und abwickeln zu können". Damit sollen die afghanischen Angestellten "weiterhin die Möglichkeit haben, auch innerhalb von zwei Jahren nach Beendigung ihres Dienstes ihre Gefährdung anzuzeigen".

Ein Verfahren für die Aufnahme der sogenannten Ortskräfte gibt es bereits, allerdings gibt es noch eine Reihe strittiger Fälle und nun eine neue Lage. Seit Beginn des Ortskräfteverfahrens im Jahr 2013 wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums 781 Ortskräfte in Deutschland aufgenommen. Die deutschen Truppen beschäftigen derzeit rund 300 Ortskräfte. Ihre Sicherheit nach dem Abzug sei ein Thema, das ihr wichtig sei und sie umtreibe, sagte Kramp-Karrenbauer. Sie habe selbst im Land mit Ortskräften gesprochen. Es sei nicht nur eine Verpflichtung der Bundeswehr, sondern aller internationalen Kräfte, die vor Ort waren, für die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sorgen.

Aus dem Innenministerium hieß es laut "Welt am Sonntag", dass sich die Bundesregierung "ihrer besonderen Verantwortung gegenüber den afghanischen Ortskräften bewusst" sei. "Wir haben aus meiner Sicht eine veränderte Situation, weil wir nicht über die Umstellung einer Mission reden, sondern über ein Ende", so Kramp-Karrenbauer. "Und das bedeutet möglicherweise eine andere Sicherheitslage und eine andere Bewertung."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2021 um 09:00 Uhr.