John Kirby | AFP

Niederlagen gegen die Taliban US-Regierung kritisiert afghanische Armee

Stand: 14.08.2021 07:23 Uhr

Die US-Regierung hat Afghanistans Sicherheitskräften schwere Vorwürfe gemacht. Es fehle der Wille, sich dem Vormarsch der Taliban zu widersetzen. CDU-Außenpolitiker Röttgen forderte ein Einschreiten des Westens.

Die US-Regierung hat der afghanischen Führung und den Sicherheitskräften angesichts des Vormarsches der Taliban mangelnde Kampfbereitschaft vorgeworfen. Es sei "beunruhigend" zu sehen, dass die politische und militärische Führung nicht den "Willen" gehabt habe, sich dem Vormarsch der militanten Islamisten zu widersetzen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, dem Sender CNN. Die USA hätten den "fehlenden Widerstand" durch die afghanischen Streitkräfte nicht vorhersehen können.

Die afghanischen Sicherheitskräfte seien den Taliban in Bezug auf Ausrüstung, Training und Truppenstärke überlegen und verfügten über eine eigene Luftwaffe, sagte Kirby. Mit Blick auf die finanzielle Unterstützung der US-Regierung für die Sicherheitskräfte fügte er hinzu: "Geld kann keinen Willen kaufen." Dafür sei die politische und militärische Führung der Afghanen zuständig.

Seit Beginn des vollständigen Abzugs der NATO-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In den vergangenen Tagen nahmen die Islamisten rund die Hälfte der 34 afghanischen Provinzhauptstädte ein, darunter zuletzt auch die zweitgrößte Stadt Kandahar.

Röttgen hält einseitigen Abzug für Fehler

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, forderte ein Einschreiten des Westens und der Bundeswehr gegen die in Afghanistan vorrückende Taliban. "Man darf nicht dabei zuschauen, wie Menschen, die uns lange verbunden waren, von den Taliban abgeschlachtet werden, wie Mädchen und Frauen alle hart erkämpften Rechte wieder verlieren", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Tatenlosigkeit angesichts des Taliban-Vormarschs "wäre eine massive Selbstbeschädigung unserer Glaubwürdigkeit", warnte Röttgen. "Nach 20 Jahren Einsatz zu sagen, das sei eine afghanische Angelegenheit, ist wirklich absurd und beschämend."

Röttgen betonte, dass er nicht dafür sei, den Truppenabzug aus Afghanistan rückgängig zu machen. Aber: "Der einseitige und übereilte Abzug aus Afghanistan war ein Fehler", urteilte Röttgen. Deutschland müsse dies "offen gegenüber den USA kommunizieren und darauf drängen, dass sie ihre bereits stattfindende Luftunterstützung der afghanischen Streitkräfte intensivieren".

Habeck fordert Luftbrücke für Ortskräfte

Unterdessen forderte Grünen-Co-Chef Robert Habeck mehr Einsatz der Bundesregierung für Menschen, die als Ortskräfte die Bundeswehr oder deutsche Ministerien in Afghanistan unterstützt haben. "Es braucht jetzt eine Luftbrücke, um diese Menschen aus Lebensgefahr zu bringen", sagte Habeck der "Süddeutschen Zeitung". "Es ist unsere Pflicht, die Menschen vor den Taliban zu retten, die ihr Leben riskiert haben, um unseren Soldatinnen und Soldaten zu helfen", hob der Grünen-Politiker hervor. "Das ist eine Frage von Treue. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen, die Zeit läuft."

Habeck forderte, bei den Ortskräften auch solche Menschen mit einzubeziehen, die über Firmen, also nicht direkt für die Bundeswehr oder andere deutsche Institutionen gearbeitet haben. Schließlich interessierten sich die radikalislamischen Taliban für solche Vertragsverhältnisse "herzlich wenig". Die Visa sollten Habecks Meinung nach bei der Ankunft erteilt und die Verfahren vereinfacht werden.

Baerbock für europäische Vorbereitungen auf Flüchtlinge

Angesichts der wachsenden Zahl an Binnenflüchtlingen in Afghanistan hat Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vor einer Wiederholung von Versäumnissen während des syrischen Bürgerkriegs gewarnt. Die europäischen Länder seien damals auf fatale Weise unvorbereitet gewesen, dass Menschen in so einer dramatischen Situation ihr Land verlassen müssten, sagte Baerbock im Deutschlandfunk. Man dürfe diesen katastrophalen Fehler nicht wiederholen und warten, bis alle 27 EU-Länder zur Aufnahmen von Flüchtlingen bereit seien.

Man müsse sich mit den europäischen Ländern zusammenschließen, die dazu bereit seien, so Baerbock. Auch mit den USA und Kanada müsse man sich abstimmen. Gemeinsam müssten klare Kontingentregeln vereinbart werden, sagte Baerbock.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2021 um 03:05 Uhr.

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SirTaki 14.08.2021 • 12:32 Uhr

Taliban und der Gottesstaat Taliban

Diese Bevölkerungsgruppe besteht aus vielen Meinungen und Ansichten zum Thema Islam. Auch leicht freizügigere befinden sich darunter. Wer aber macht das Rennen unter denen? China, Iran u.a. haben Interesse an Bodenschätzen. Sie werden stützen, was ihnen Vorteile und den Taliban Devisen bringt. Soviel zur politischen Ebene. Gesellschaftlich rutscht die bisher modern lebende Schicht in tradierte, brutale Zeiten zurück. Dieser Islam wird für Talibanstrukturen ausgeschlachtet und verdreht. Die Frauen und die Bildung werden wieder ausgegrenzt und blockiert. Nur Männer zählen, Was soll man dagegen tun, als dieses Weltbild mit Stumpf und Stiel auszumärzen? Gelder und Hilfsleistungen für ein Taliban dominiertes Knechtungswesen stärken nur, was diese da fabrizieren. Aber man muss eingestehen: Afghanistan wird in den Fänger dieser Häscher und Todesschwadronen bleiben. Ähnlich dem islamistischen Staat. Da kann man die nächste Fluchtwelle kommen sehen. Allen voran die Frauen.