Ein Blick über die afghanische Hauptstadt Kabul | AFP

Afghanistan EU öffnet offizielle Vertretung in Kabul

Stand: 21.01.2022 13:40 Uhr

Die EU richtet eine "minimale Präsenz" in Afghanistan ein, einen Botschafter sendet sie jedoch nicht. Auch Norwegen will Gespräche mit den Taliban führen, um die aktuelle humanitäre Katastrophe in dem Land zu lindern.

Die EU hat begonnen, wieder eine "minimale Präsenz" in Afghanistans Hauptstadt Kabul einzurichten, sagt ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Die internationalen Delegationsmitarbeiter sollen demnach die humanitäre Hilfe im Land erleichtern und die aktuelle Notlage überwachen.

Wegen eingestellter Hilfen und Sanktionen verschiedener Länder befindet sich Afghanistan aktuell in einer schweren wirtschaftlichen Krise. 4,7 Millionen Menschen leiden an schwerer Unterernährung, schätzen die UN.

Keine Anerkennung der Taliban-Regierung

Borrells Sprecher betonte, der Schritt dürfe auf keinen Fall als Zeichen der Anerkennung der Taliban-Regierung verstanden werden. Ein Botschafter werde nicht nach Kabul geschickt, heißt es aus EU-Kreisen.

Zuvor hatten die Taliban verkündet, die EU habe nach mehreren Treffen "ihre Botschaft mit einer permanenten Präsenz offiziell eröffnet und praktisch den Betrieb aufgenommen".

Viele Botschaften sind geschlossen

Seitdem die Taliban im August 2021 in Afghanistan die Macht übernommen haben, sind die Botschaften vieler Länder geschlossen - auch die deutsche. Russland, China und Nachbarländer von Afghanistan haben nach wie vor Botschafter in dem Land.

Die Taliban-Regierung wird bisher von keiner Regierung weltweit anerkannt. Die EU-Staaten machen dies unter anderem davon abhängig, dass Menschen- und Frauenrechte eingehalten werden.

Norwegen will Gespräche führen

Norwegen hat indes Vertreter der Taliban für die kommende Woche zu Gesprächen nach Oslo eingeladen, um über die aktuelle Lage in Afghanistan zu sprechen. Neben Vertretern Norwegens und der internationalen Gemeinschaft seien auch Treffen mit afghanischen Journalisten und Menschenrechtlern geplant, so die norwegische Regierung.

"Dies ist keine Legitimation oder Anerkennung der Taliban", sagt auch Norwegens Außenministerin Anniken Huitfeldt. Man wolle aber verhindern, dass sich die Notlage verschärfe. Dabei gehe es Norwegen insbesondere auch um Schulbildung für Mädchen und die Teilhabe von Frauen.

Norwegen ist seit Jahren mit den Taliban im Gespräch. Ob diese die Einladung nach Oslo annehmen, ist bisher unklar. Eine norwegische Delegation reise in dieser Woche nach Kabul, um über die aktuelle Lage zu sprechen, so die Regierung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2022 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.