Zersplitterte Scheiben am Eingang zum Redaktionsgebäude der türkischen Zeitung ''Hürriyet'' in Istanbul.

Demonstrationen in der Türkei Angriffe auf HDP und "Hürriyet"

Stand: 09.09.2015 01:00 Uhr

Angesichts des Konflikts mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK wachsen die Spannungen in der Türkei. Nationalistische Demonstranten griffen die Zentrale der prokurdischen Partei HDP und den Sitz der Zeitung "Hürriyet" an. Auch in anderen Städten gab es Angriffe.

Aufgebrachte Demonstranten in der Türkei haben am Abend die Zentrale der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP und den Redaktionssitz der Zeitung "Hürriyet" angegriffen. In der Hauptstadt Ankara marschierten Dutzende Nationalisten zum HDP-Sitz, wie Bilder des Fernsehsenders CNN-Türk zeigten. Sie warfen mit Steinen und rissen das Parteizeichen an dem Gebäude ab. "Unsere Zentrale wird angegriffen, aber die Polizei erfüllt nicht ihre Pflicht", hieß es in einer Mitteilung der HDP über den Kurznachrichtendienst Twitter. Rauch stieg über dem Gebäude auf. Die Polizei trieb die Randalierer schließlich auseinander und bezog vor dem Gebäude Stellung.

In der südtürkischen Stadt Alanya wurde der örtliche HDP-Sitz in Brand gesetzt, wie CNN-Türk berichtete. Auch in mindestens sechs anderen Städten seien HDP-Büros von Demonstranten beschädigt worden. Nationalisten werfen der HDP vor, der politische Arm der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu sein.

Nach den jüngsten Anschlägen der PKK auf türkische Sicherheitskräfte hat sich die nationalistische Stimmung gegen die Kurden wieder verschärft. Die Regierung hatte die Friedensgespräche mit der PKK abgebrochen, einen Waffenstillstand aufgekündigt und Einrichtungen der PKK im benachbarten Nordirak bombardiert. Als Reaktion darauf verübte die PKK wieder zahlreiche Anschläge auf Polizisten und Soldaten, bei denen mehrere Menschen starben.

Rauch steigt über der Zentrale der prokurdischen HDP in Ankara auf.

Rauch steigt über der Zentrale der prokurdischen HDP in Ankara auf.

Zersplitterte Scheiben am Eingang zum Redaktionsgebäude der türkischen Zeitung ''Hürriyet'' in Istanbul.

Zersplitterte Scheiben am Eingang zum Redaktionsgebäude

Auch "Hürriyet" im Visier der Demonstranten

In Istanbul belagerten gestern Anhänger der türkischen Regierungspartei AKP erneut die Redaktion der Zeitung "Hürriyet". Zunächst hätten sich etwa hundert Menschen vor dem Gebäude versammelt und sangen den Namen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan sowie "Gott ist groß", berichtete die Zeitung auf ihrer Website. Dann hätten sie das Redaktionsgebäude mit Steinen beworfen und sich gewaltsam Zutritt verschafft. Die Polizei habe die Demonstranten zurückgedrängt, die dann erneut in Slogans die AKP priesen. Bereits am Sonntagabend hatten etwa hundert AKP-Anhänger das Redaktionsgebäude gestürmt.

Erdogan hatte in der Vergangenheit wiederholt die Mediengruppe Dogan kritisiert, zu der "Hürriyet" gehört. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu rief inzwischen zur Ruhe auf: Es ist inakzeptabel, Medien, Parteigebäude und Eigentum von Zivilisten zu beschädigen", schrieb der AKP-Politiker bei Twitter.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. September 2015 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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gibsdochgarnich 09.09.2015 • 09:11 Uhr

07:50 von RagnarLodbrok

"...Bevölkerungsgruppe genauso brutal unterdrückt, willkürlich verhaftet, gefoltert und getötet wie es in der Türkei..." Sie beschreiben das verhalten der türkischen Militärdiktatur vor der Wahl Erdogans! Erdogan hat es entgegen nationalistischer Kräfte geschafft dem kurdischen teil der türkischen Bevölkerung ihre kulturelle Identität und Sprache zurück zu geben. Ich bitte sie höfflich sich zu informieren und nicht immer wieder die gleichen polemischen und haltlosen Anschuldigungen hier vor zu tragen!