Eine Demonstrantin hält ein Bild des getöteten Daunte Wright hoch. | AFP

Tödlicher Schuss auf Schwarzen Haftstrafe für Ex-Polizistin im Fall Daunte Wright

Stand: 18.02.2022 22:42 Uhr

Zehn Monate nach der Tötung des Schwarzen Daunte Wright ist die Todesschützin in den USA zu zwei Jahren Haft verurteilt worden - ein Teil davon auf Bewährung. Die Ex-Polizistin habe einen "tragischen Fehler" begangen, sagte die Richterin.

Im Fall der Tötung des Schwarzen Daunte Wright in den USA muss eine Ex-Polizistin wegen Totschlags für 16 Monate ins Gefängnis. Weitere acht Monate ihrer insgesamt zweijährigen Strafe werden zur Bewährung ausgesetzt. Diese Zeit könne die Frau unter Aufsicht in Freiheit verbüßen, sagte Richterin Regina Chu bei der Urteilsverkündung in Minneapolis.

Mit dem Strafmaß blieb Chu deutlich unter den sechs bis achteinhalb Jahren, die in einem solchen Fall im US-Staat Minnesota vorgesehen sind. Sie betonte, mit der milden Strafe wolle sie den Tod Wrights nicht herabsetzen. Die Verurteilte habe einen "tragischen Fehler" gemacht. Chu fügte hinzu: "Die Tatsache, dass sie nie die Absicht hatte, ihre Schusswaffe zu ziehen, macht diesen Fall weniger schwerwiegend als andere Fälle."

Massive Proteste nach Tod des 20-Jährigen

Die Geschworenen hatten die 49-jährige Ex-Polizistin kurz vor Weihnachten wegen Totschlags ersten und zweiten Grades schuldig gesprochen. Der Fall hatte die Vereinigten Staaten aufgewühlt. Nach dem Tod des 20-Jährigen war es zu massiven Protesten gekommen.

Richterin Chu sagte, der Fall sei einer der traurigsten ihrer 20-jährigen Berufslaufbahn. "Auf der einen Seite wurde ein junger Mann getötet auf der anderen beging eine geachtete Polizeiveteranin nach 26 Dienstjahren einen tragischen Fehler."

Die Angeklagte hatte angegeben, sie habe ihre Schusswaffe mit ihrer Elektroschockpistole verwechselt, als sie Wright erschossen habe. Sie hatte nach dem Vorfall ihre Kündigung eingereicht.

Wrights Mutter wird nie vergeben können

Die Angeklagte selbst sagte an die Familie Wrights gerichtet, es tue ihr leid, den jungen Mann zu Tode gebracht zu haben. "Ich kann Mutterliebe nachempfinden. Es tut mir leid, Ihnen das Herz gebrochen zu haben."

Wrights Mutter Katie sagte dagegen noch vor der Bekanntgabe des Strafmaßes, sie werde der Ex-Beamtin nie vergeben können. Diese habe Wrights Namen im ganzen Prozess nie in den Mund genommen. Wright nannte das Strafmaß eine Farce. "Heute hat das Justizsystem ihn erneut ermordet", sagte sie und warf der Richterin vor, sie habe sich von den "weißen Tränen" der Ex-Polizistin beeindrucken lassen.

"Ein Rechtssystem in schwarz und weiß"

Der Anwalt der Familie sagte, er verstehe nicht, warum in diesem Fall, in dem eine Weiße Polizistin einen Schwarzen getötet hat, mildernde Umstände geltend gemacht worden seien. In einem anderen Fall, in dem ein Schwarzer Polizist eine Weiße getötet habe, sei das Strafmaß höher gewesen. "Was wir heute gesehen haben, ist ein Rechtssystem in schwarz und weiß", sagte Anwalt Ben Crump.

Angehörige Wrights hatten eine harte Strafe gefordert. Wright war im April nördlich von Minneapolis bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Er starb nur wenige Kilometer entfernt von jenem Verhandlungssaal in Minneapolis, in dem der Prozess um den brutalen Tod von George Floyd lief. Floyd war ebenfalls bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Das war der Tag" am 23. Dezember 2021 um 23:33 Uhr.